COVID-19 Blog Teil 4: At equity einbezogene Unternehmen, latente Steuern und CGU-Struktur im IFRS – Konzernabschluss

03/04/20

Die Auswirkungen des Coronavirus und damit einhergehende wirtschaftliche Effekte zeigen sich in den unterschiedlichsten Bilanzposten. Neben der Frage der Werthaltigkeit und deren Überprüfung nach IAS 36 (siehe Teil 3 unserer Blogreihe) haben Konzernmutterunternehmen in ihren Konzernabschlüssen auch darauf zu achten, inwieweit die at equity Unternehmen in ihrer Ertragskraft von den bestehenden Maßnahmen und wirtschaftlichen Folgeeffekten betroffen sind. Damit verbunden ist auch die Frage zur Werthaltigkeit von latenten Steuerpositionen (entweder unmittelbare latente Steuern des Konzernmutterunternehmens, jene über die Vollkonsolidierung einbezogenen latenten Steuern von Tochterunternehmen aber auch mögliche Outside Basis Differences auf vollkonsolidierte und at equity Unternehmen). Sollten Unternehmen gezwungen sein, Teile ihrer Betriebstätigkeit stillzulegen, können sich auch daraus Rückwirkungen auf die bisherige Konzernstruktur (Stichwort: CGU – Abgrenzungen) ergeben.

Auswirkungen auf Assoziierte Unternehmen (IAS 28) und Joint Ventures (IFRS 11)

Die Buchwerte für die at equity geführten assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen sind ebenso wie andere Vermögenswerte auf ihre Werthaltigkeit zu prüfen, ob bspw. durch die Ausbreitung des Coronavirus und daraus resultierende Einschränkungen objektive Nachweise vorliegen, dass das Net Investment in das at equity geführte Unternehmen wertgemindert ist. Die Impairment Indikatoren sind in IAS 28.41Aff. sowohl für assoziierte Unternehmen als auch für Joint Ventures geregelt wie beispielsweise

  • bedeutende wirtschaftliche Schwierigkeiten, Liquiditätsengpässe und eingetretene Verletzungen von Zahlungszielen oder Covenantbrüchen
  • wesentliche Änderungen in den technologischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen oder Verschlechterungen in den Märkten, in denen die betreffende Einheit operiert
  • vom at equity Unternehmen selbst in dessen Abschluss erfasste Wertminderungen.

Sollte ein at equity geführtes Unternehmen an einem aktiven Markt notiert sein, kann der Kursrückgang ggf. in Kombination mit anderen Faktoren auf eine Wertminderung des Unternehmens hindeuten. Ein wesentlicher und dauernder Rückgang des Fair Values eines assoziierten Unternehmens oder Joint Ventures stellt jedenfalls einen objektiven Hinweis auf eine Wertminderung dar. 

Der Wertminderungsbedarf wird für das gesamte assoziierte Unternehmen bzw. Joint Venture einschließlich Goodwill ermittelt; eine ermittelte Wertminderung wird insofern dem Buchwert des Unternehmens als Ganzes zugeordnet. 

Sollte das Konzernunternehmen zusätzlich langfristige Darlehen an eine at equity Gesellschaft gewährt haben und dieses Darlehen Teil des Net Investments sein, richtet sich die Folgebewertung des Darlehens in einem ersten Schritt nach IFRS 9, bevor die allgemeinen Impairment Regelungen des IAS 28 iVm IAS 36 auf das gesamte at equity Unternehmen (einschließlich Darlehen) angewandt werden. 

Auswirkungen auf latente Steuern (IAS 12)

Die Ausbreitung des Coronavirus kann die Fähigkeit eines Unternehmens direkt oder indirekt beeinträchtigen, zukünftig steuerbare Ergebnisse zu erzielen (über den Wegfall von Kundenaufträgen, durch zeitliche Verzögerungen von Umsatzvorgängen, die Kappung von Lieferketten oder bezogene Dienstleistungen u.v.m. in der gegenwärtigen Situation).  Ebenso können aufgrund von außerplanmäßigen Abschreibungen auf Vermögenswerte daraus resultierende passive latente Steuern wegfallen, die in der Vergangenheit zeitlich kongruent und bezogen auf die einzelne Steuerjurisdiktion im gleichen Ausmaß die Aktivierung von latenten Steuern ermöglicht haben. Auch könnten zusätzliche abzugsfähige temporäre Differenzen entstehen.

Notwendige Schritte und Fragestellungen: 

  • Überarbeitung der Steuerplanung und Aktualisierung der Forecasts für künftig zur Verfügung stehende zu versteuernde Ergebnisse
  • Berücksichtigung der bestehenden Unsicherheiten und Auswirkung der Maßnahmen in den Planungsüberarbeitungen
  • Gleichklang mit Annahmen über Auswirkungen und Unsicherheiten in anderen – im Zuge der Coronakrise – revidierten Budgets und Plänen (etwa im Zusammenhang mit IAS 36)
  • Prüfung der Werthaltigkeit von aktivierten Verlustvorträgen
  • Berücksichtigung zusätzlicher Effekte auf Outside Basis Differences
  • Vorhalten von überzeugenden substanziellen Hinweisen bei bestehender, sich fortsetzender oder verschlechternder Verlustsituation.

CGU-Struktur

Sollte sich durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgelöst durch die Ausbreitung des Coronavirus die Notwendigkeit ergeben, dass Unternehmensbereiche entweder stillgelegt und geschlossen oder abgestoßen werden, ist zu prüfen, ob die bisher gewählte Struktur des Impairment Tests aufrecht gehalten werden kann oder ob er, insbesondere im Hinblick auf die Abgrenzung der CGU-Struktur, neu aufgesetzt werden muss. 

Kontakt

Hans Hartmann

Hans Hartmann

Partner, Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS), PwC Austria

Tel: +43 676 833 771 816

Folgen Sie uns