COVID-19 Blog Teil 3: Auswirkungen auf die Werthaltigkeit von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten (IAS 36)

31/03/20

Die Folgeeffekte der von den Regierungen getroffenen Maßnahmen zur Stabilisierung der Gesundheitssysteme hat globale Auswirkungen auf Lieferketten und die Absatzseite. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie sich intensiv mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie sich die veränderte wirtschaftliche Lage auf die Werthaltigkeit ihrer Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerte auswirken wird. Für Berichtsstichtage mit 31.3.2020 ist davon auszugehen, dass es sich bei der Coronakrise jedenfalls um berücksichtigungspflichtige Ereignisse nach IAS 10 handelt.

Triggering Events

Nach IAS 36 hat ein Unternehmen zu prüfen, ob Indikatoren vorliegen, die auf eine Wertminderung der nicht-finanziellen Vermögenswerte hindeuten können. Hierbei sind sowohl externe Hinweise (wie etwa die Kursrückgänge an den internationalen Börsen, Schwankungen der Rohstoffpreise, Veränderung der Zinslandschaft) als auch interne Hinweise (wie Betriebsschließungen, Mitarbeiterausfälle, reduzierte Vertriebsmöglichkeiten, sinkende Nachfrage oder ein Nachgeben der Verkaufspreise) zu berücksichtigen.  

Praxishinweis: Ein Wertminderungstest ist durchzuführen, wenn bestimmte Wertminderungsindikatoren identifiziert werden. Für Goodwill, immaterielle Vermögenswerte mit unbestimmter Nutzungsdauer und noch in Bau befindliche Vermögenswerte ist zu prüfen, ob ein bereits zum üblichen Zeitpunkt auf bestehenden Planungen durchgeführter Impairment Test lediglich modifiziert oder, abhängig vom individuellen Betroffenheitsgrad eines Unternehmens, auch vollständig neu gerechnet werden muss. Entscheidend ist die Einschätzung des Unternehmens, wie stark und wie lange die Restriktionen und damit einhergehenden negativen Effekte anhalten werden und wie sich diese kurz-, mittel- und langfristig auf die Fähigkeit des Unternehmens Cashflows zu generieren auswirken werden.

Auswirkungen auf die Cash-Flow Planung

Der Umfang der Auswirkungen auf die Ertragslage und Fähigkeit des Unternehmens Cashflows zu generieren, wird jedes Unternehmen individuell ermitteln müssen. Während für manche Unternehmen lediglich eine Verschiebung von Cashflows um einige Monate in die Zukunft angezeigt sein kann, mag es für andere Unternehmen signifikante und längerfristige Ausschläge geben, abhängig von Branche und Geschäftsmodell, Dauer der restriktiven Maßnahmen, Kundenverhalten und der Frage, in welcher Form sich eine wirtschaftliche Erholung darstellen wird (Stichwort „V-förmiger Verlauf“, „U-förmiger Verlauf“ oder „L-förmiger Verlauf). Unternehmen werden auch untersuchen müssen, inwieweit Rechenmodelle und Annahmen aus der „Vorkrisenzeit“ künftig noch Geltung haben oder grundlegend überdacht werden müssen.

Um dem Grad der Unsicherheit Rechnung zu tragen, mag es für Unternehmen, die bisher ein einziges Rechenszenario dem Impairment Test zugrunde gelegt haben, empfehlenswert sein, mehrere Szenarien zu entwickeln und einen Erwartungswert aus den wahrscheinlichkeitsgewichteten Szenarien für die Bestimmung des erzielbaren Betrags zu ermitteln.

Weitere Aspekte:
  • Liegt die Marktkapitalisierung eines Unternehmens unter den Buchwerten, ist in einem ersten Schritt ein Impairment Test für sämtliche zahlungsmittelgenerierenden Einheiten indiziert.
  • Der Frage, wie hoch ein Headroom von einzelnen zahlungsmittelgenerierenden Einheiten war und ist, kommt erhöhte Bedeutung zu. Es ist zu prüfen, inwieweit die in früheren Berechnungen ermittelten Headrooms auch bei Durchspielen zwischenzeitlich bis zum Bilanzstichtag eingetretener Ereignisse der Annahme einer Wertminderung entgegenstehen könnten.
  • Die Prognose von Zahlungsströmen ist zu adaptieren, um Ereignisse und Informationen, die nach dem Bilanzstichtag zur Kenntnis gelangen, die sich auf Umstände beziehen, die bereits zum Bilanzstichtag vorgelegen haben.
  • Abhängig vom Betroffenheitsgrad eines Unternehmens ist nicht nur die Extrapolation der Zahlungsströme für die ewige Rente, sondern ggf. auch die Wachstumsrate zu hinterfragen.
  • Berücksichtigung von Stützungsmaßnahmen bei der Prognose der Zahlungsströme. 

Auswirkungen auf die Bestimmung des Zinssatzes

Die Coronakrise wird nicht zu einer grundlegenden Änderung der anzuwendenden Methodik bei der Bestimmung des Diskontsatzes führen. Der Zinssatz beruht weiterhin auf den gewichten durchschnittlichen Kapitalkosten. Dennoch ist zu prüfen, inwieweit einzelne Bewertungsparameter im Zuge der Coronakrise adaptiert werden müssen. Dies betrifft u.a. die Bestimmung und Angemessenheit der Peer Group, das Länder- und Währungsrisiko oder den Betafaktor.
Nach dem Äquivalenzprinzip sollen aber auch weiterhin keine Risiken im Zinssatz berücksichtigt werden, die bereits bei der Schätzung der zukünftigen Cashflows eingepreist wurden.

Dokumentation, Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten

Die Ermittlung des erzielbaren Betrags für die nicht-finanziellen Vermögenswerte ist in Zeiten der Coronakrise für Unternehmen mit erheblichem Aufwand und einem hohen Grad an Unsicherheit verbunden. Von besonderer Bedeutung ist daher die Dokumentation über verwendete Parameter, der durchgeführten Sensitivitätsanalysen und Erläuterungen zu Ermesssensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten sowie daraus resultierender wesentlicher Effekte auf erfasste Bilanzpositionen nach IAS 1.125. 

Kontakt

Hans Hartmann

Hans Hartmann

Partner, Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS), PwC Austria

Tel: +43 676 833 771 816

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