COVID-19 Blog Teil 2: Auswirkungen auf die Umsatzrealisierung & Vorräte

31/03/20

Je nach Branche und Geschäftsmodell führen die gegen die Ausbreitung des Coronavirus bestehenden Maßnahmen zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten von Unternehmen, verbunden mit unmittelbaren Auswirkungen auf bestehende und künftige Kundenverträge und Umsatzerlöse. 

Künftige Kundenverträge

Nach IFRS 15 darf ein Umsatzerlös nur dann erfasst werden, wenn das Unternehmen auch erwartet, dass der Kunde seinen Zahlungsverpflichtungen bei Fälligkeit wahrscheinlich nachkommen wird. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass kein Umsatzerlös erfasst werden darf, wenn sich ein Unternehmen trotz bestehender Unsicherheiten zur Lieferung an einen Kunden entscheidet, obwohl es nicht klar ist, ob der Kunde künftig in der Lage sein wird, die Zahlung zu leisten. 

Bestehende Kundenverträge

Für bestehende Kundenbeziehungen und erfasste Transaktionen ergibt sich ein Handlungsbedarf – abhängig von der Einschätzung der bestehenden Unsicherheiten – in folgenden Bereichen:

  • Variable Gegenleistungen (wie Rabatte, Rückgaberechte oder andere variable Ansprüche, die von Leistungszielen abhängen): diese dürfen nur dann als Teil des Transaktionspreises nach IFRS 15 berücksichtigt werden, wenn es hochwahrscheinlich ist, dass es nicht zu signifikanten Korrekturen des variablen Entgelts kommt. Ein Unternehmen muss daher zu Vertragsbeginn und in Folgeperioden laufend die einmal getroffene Einschätzung monitoren. Im Zuge der durch das Coronavirus ausgelösten erheblichen Unsicherheiten wird das Management bisher getroffene Überlegungen zu Wahrscheinlichkeitsgewichtungen überprüfen und ggf. erfasste Beträge anpassen müssen.

  • Vertragsmodifikationen: Unternehmen auf allen Ebenen der Lieferketten sind durch Unterbrechungen auf der Lieferseite und mit Unwägbarkeiten auf der Absatzseite konfrontiert. Wenn Unternehmen ihren Kunden im Hinblick auf deren Probleme im betrieblichen Produktionsprozess entgegenkommen, in dem Sie entweder den Preis und/oder den Leistungsumfang modifizieren, haben sie die Regeln des IRS 15 zu Vertragsmodifikationen zu beachten (hier stellen sich u.a. folgende Fragen: Bilanzierung der Modifikation als separater Vertrag oder als Bestandteil des bestehenden Vertrags? Prospektive oder einmalige (cumulative-catch-up) Korrektur zB des (auf verschiedene Leistungsverpflichtungen) zugeschlüsselten Transaktionspreises?)

  • Bestehende Forderungen aus Lieferungen und Leistungen: es ist der (mögliche) Abschreibungsbedarf auf ausstehende Forderungssalden nach IFRS 9 zu ermitteln.
    (Wir informieren Sie näher zu den Auswirkungen des IFRS 9 in einem gesonderten Blog)
     

Die Erlöserfassung aus bestehenden und künftigen Kundenverträgen ist derzeit mit einem erhöhten Unsicherheitsniveau verbunden. Nach IAS 1.122 hat ein Unternehmen seine wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden als auch getroffene Einschätzungen offen zu legen. Darüber hinaus sind nach IAS 1.125 getroffene Annahmen über Unsicherheiten und künftige Entwicklungen näher zu beschreiben. Diesen Anhangangaben wird insbesondere in der Coronakrise erhöhte Bedeutung zukommen.

Vorräte

Unternehmen müssen überprüfen, ob im Rahmen der Vorratsbewertung im Vergleich zu Vorperioden vermehrt ein Abwertungsbedarf auf einen (niedrigeren Nettoveräußerungswert) nach IAS 2 zu erfassen ist. Absatzrückgänge durch den (partiellen Wegfall von Kunden), geringere Umschlagshäufigkeit, Veralterung von Vorräten oder deren Verderblichkeit bestimmen das Ausmaß der potentiellen Wertminderungen. Bei Wesentlichkeit sind Abwertungen auf die Vorräte gesondert im Anhang oder in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen.

Bei Fertig- oder Halbfertigerzeugnissen ist der Auslastung im Produktionsprozess erhöhtes Augenmerk zu schenken. Überschüssige Gemeinkosten, die sich aus dem Herunterfahren der Produktionskapazitäten ergeben (erhöhte Leerkosten) dürfen nicht auf die produzierten Vorräte aufgeschlagen werden, sondern sind unmittelbar aufwandswirksam in der Periode des Entstehens in der Ergebnisrechnung zu erfassen.

Im Zusammenhang mit möglichen Fragen zur Wertminderung des eingesetzten Anlagevermögens werden wir Sie gesondert in einem Blog-Beitrag informieren.

Kontakt

Hans Hartmann

Hans Hartmann

Partner, Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS), PwC Austria

Tel: +43 676 833 771 816

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