COVID-19 Blog Teil 15: Erwartungen der ESMA an die Offenlegung in Halbjahresfinanzberichten 2020

29/05/20

In ihrer kürzlich veröffentlichten Verlautbarung kommuniziert die ESMA ihre Erwartungen an die Offenlegung in Zwischenabschlüssen nach IAS 34 und Zwischenlageberichten im Lichte der COVID-19-Pandemie. Sie hebt hervor, dass Unternehmen eine transparente Darstellung der derzeitigen und zu erwartenden Auswirkungen der Krise gegebenenfalls durch erweiterte Anhangangaben sicherzustellen haben. Konkret weist die ESMA auf die folgenden Punkte hin. Für weiterführende Informationen zu den einzelnen Themen verweisen wir auf die jeweiligen Beiträge in unserer Blog-Reihe.

Zeitpunkt der Veröffentlichung von Halbjahresberichten

Die ESMA räumt ein, dass Unternehmen in der derzeitigen schwierigen Situation unter Umständen eine Verzögerung der Veröffentlichung von Halbjahresberichten (im Rahmen der gesetzlichen Fristen) in Betracht ziehen könnten. Das Schlüsselkriterium in dieser Überlegung bleibt aber weiterhin die Bereitstellung von zeitnahen, relevanten und zuverlässigen Informationen. Eine unangemessene Verzögerung ist auch unter den aktuellen Umständen zu vermeiden.

Wesentliche Schätzungsunsicherheiten und Going Concern

Die Corona-Krise und deren Auswirkungen konfrontieren Unternehmen mit einer Vielzahl an Unsicherheiten, die ein erhebliches Risiko von Anpassungen der Buchwerte von Aktiva und Passiva mit sich bringen. Daher hebt die ESMA die Wichtigkeit der Aktualisierung von Angaben im Zwischenbericht zu zukunftsbezogenen Annahmen und Schätzungsunsicherheiten hervor (IAS 1.125). Weiterhin sind Angaben zu Änderungen bei Schätzungen von Beträgen zu machen, die in früheren Berichtsperioden dargestellt wurden (IAS 34.16A (d)).

Ergeben sich durch die Unsicherheiten Zweifel am Going Concern, so sind diese anzugeben (IAS 1.25). Im Rahmen der Going Concern-Beurteilung erwartet die ESMA die Berücksichtigung aller verfügbarer Informationen über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten nach dem Berichtsstichtag (IAS 1.26). Darüber hinaus stellt sie klar, dass Unternehmen in jedem Fall Angaben zur Going Concern-Beurteilung zu machen haben, sofern diese auf erheblichen Ermessensentscheidungen beruht.

Risiken aus Finanzinstrumenten

Durch die Restrukturierung bzw. die Fälligstellung von Kreditverbindlichkeiten oder den Bruch von Covenants können sich für Unternehmen finanzielle Risiken ergeben, die zum Zeitpunkt der Aufstellung des letzten Jahresabschlusses nicht oder nur teilweise vorhanden waren. Die ESMA erwartet detaillierte Angaben in Halbjahresberichten zu Kredit-, Liquiditäts- und sonstigen Risiken sowie zu deren Sensitivitäten gemäß IFRS 7 (siehe COVID-19 Blog Teil 5). Weiterhin ist die Auswirkung dieser Risiken auf die Berechnung erwarteter Kreditverluste nach IFRS 9 zu berücksichtigen (siehe COVID-19 Blog Teil 14).

Wertminderung nicht-finanzieller Vermögenswerte

Die ESMA weist darauf hin, dass die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in vielen Fällen externe und / oder interne Indikatoren für eine Wertminderung darstellen (IAS 36.12). Unternehmen haben das Vorliegen solcher Indikatoren gründlich zu analysieren. 

Die aktuellen Umstände erfordern ein besonders hohes Maß an Sorgfalt in der Berechnung des erzielbaren Betrages. In Bezug auf die Prognose zukünftiger Zahlungsmittelströme kann es sinnvoll sein, eine wahrscheinlichkeitsgewichtete Szenarienanalyse anzustellen. Weiterhin sind die verwendeten Diskontierungssätze gegebenenfalls an die geänderten Marktbedingungen anzupassen. Die ESMA erwartet, dass sich diese Anpassungen auch in den Angaben zu wesentlichen Ermessensentscheidungen und Annahmen bei der Schätzung des erzielbaren Betrages widerspiegeln (siehe COVID-19 Blog Teil 3 und PwC Webcast vom 30.04.2020).

Darstellung der COVID-19 Effekte in der Gewinn- und Verlustrechnung

Eine Darstellung von Sonderposten i.Z.m. COVID-19 in der Gewinn- und Verlustrechnung wird von der ESMA abgelehnt. Stattdessen erwartet sie die Offenlegung von Informationen (auch quantitativer Natur) zu Auswirkungen von Corona auf einzelne Posten der Gewinn- und Verlustrechnung in einer gesonderten Angabe im Anhang.

Detaillierungsgrad der Anhangangaben

Für einen Großteil der Unternehmen stellt die Corona-Krise ein erhebliches Ereignis dar (IAS 34.15-15C). In diesem Zusammenhang erwartet die ESMA, dass über wesentliche Sachverhalte in einem Ausmaß berichtet wird, das über die Mindestanforderungen des IAS 34 hinausgeht (IAS 1.17 (c) und IAS 1.31). So kann es für Unternehmen sinnvoll sein, die Angabeerfordernisse einzelner IFRS für Jahresabschlüsse auch im Halbjahresbericht zu erfüllen. Im Speziellen nennt die ESMA die Offenlegung zu im Rahmen der Krise gewährten Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen (siehe COVID-19 Blog Teil 11). Sie erwartet detaillierte Angaben gemäß den einzelnen IFRS (z.B. IAS 20, IAS 12, IFRS 16).

Darüber hinaus haben Unternehmen sorgfältig zu beurteilen, ob sich durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie weitere Angabeerfordernisse ergeben. Exemplarisch führt die ESMA die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert nach IFRS 13, Rückstellungen für belastende Verträge gemäß IAS 37 sowie Verbindlichkeiten aus Versicherungsverträgen an.

Zwischenlagebericht

Die ESMA empfiehlt, im Zwischenlagebericht Informationen zu aktuellen und erwarteten Auswirkungen von COVID-19 auf die strategische Ausrichtung und Ziele, den Geschäftsverlauf und die Lage des Unternehmens zur Verfügung zu stellen. Weiterhin sollte aufgezeigt werden, welche Maßnahmen das Unternehmen ergreift, um die negativen Auswirkungen zu reduzieren.

Darüber hinaus verweist die ESMA auf eine neue FAQ zu ihren unverbindlichen Leitlinien zur Anwendung sogenannter Alternativer Leistungskennzahlen (APM), welche die Darstellung der Auswirkungen der Corona-Krise auf APM adressiert.

Kontakt

Hans Hartmann

Hans Hartmann

Partner, Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS), PwC Austria

Tel: +43 676 833 771 816

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