COVID-19 Blog Teil 1: Auf welche Anzeichen Sie jetzt achten, um die Auswirkungen auf Ihr Unternehmen zu ermitteln

31/03/20

Die Ausbreitung des Coronavirus zeigt weltweit steigende und teilweise exponentielle Zuwachsraten. Regierungen in vielen Teilen der Welt haben rigorose Verhaltensmaßnahmen und Regelungen erlassen, um der Pandemie entgegen zu wirken. Dies führt – abhängig von geographischer Lage, Branche und Geschäftsmodell, Ausmaß und der Dauer der konkreten restriktiven Maßnahmen etwa auf Produktionsstandorte und die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen – zu unterschiedlich intensiven Auswirkungen auf die Finanz- und Ertragslage von Unternehmen. 

Es ist für Unternehmen unabdingbar die aktuellen Entwicklungen laufend zu überwachen und hinsichtlich der möglichen Auswirkungen auf das Unternehmen zu analysieren. Die Bandbreite reicht von konkreten Anhaltspunkten für das Vorliegen von Wertminderungen von finanziellen und nicht-finanziellen Vermögenswerten auf der Aktivseite, über Restrukturierungen von finanziellen Verbindlichkeiten auf der Passivseite, die zu einem konkreten Bilanzstichtag unmittelbar zu bilanzieren sind, bis hin zur Frage, ob es sich um nicht-berücksichtigungspflichtige aber wesentliche Ereignisse handelt, die im Anhang näher unternehmensindividuell spezifiziert werden müssen. 

Bilanzstichtag bzw. Zwischenberichterstattung

Praxishinweis: Aufgrund der dynamischen Entwicklung und Verkettung der wirtschaftlichen Folgeauswirkungen kann es im Einzelfall schwierig sein, exakt den Zeitpunkt eines (eingetretenen) Ereignisses zu bestimmen. Es ist daher notwendig im Anhang zu erläutern, welche Effekte bereits zu einem konkreten Bilanzstichtag bilanziert und welche lediglich als nicht zu berücksichtigende Ereignisse eingestuft wurden.

Wie stark ist Ihr Unternehmen von der Dynamik der Ausbreitung des Coronavirus und damit einhergehender wirtschaftlicher negativer Effekte betroffen?
  • Branche und Geschäftsmodell: In welchem Ausmaß ist Ihre Branche vom Coronavirusausbruch betroffen? Unterliegt Ihre Branche staatlichen Auflagen zur Betriebsstillegung oder bestehen andere Faktoren, die sich auf die Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit auswirken (wie etwa die Unterbrechung von Lieferketten oder Logistikprobleme durch Grenzschließungen)? Handelt es sich dabei um unternehmensweite Auswirkungen oder gibt es eine Streuung des Betroffenheitsgrades in Abhängigkeit von der geographischen Lage? Könnten Vertragsstrafen bei verspäteter Leistung oder Nichterfüllung resultieren?

  • Absatzseite: Kommt es zu einer Verringerung der Umsatzerlöse? Wenn ja, über welchen Zeitraum, für welche Produkte und Dienstleistungen? Kommt es zu temporären oder dauerhaften Verlusten von Kundenbeziehungen? Welche Auswirkungen hat dies auf die Profitabilität des Unternehmens, Auftragsbestände?

  • Mitarbeiter: Kann der Betrieb im Hinblick auf die Umstellung auf Home Office über längere Perioden aufrecht erhalten werden? Steht genügend Schlüsselpersonal für kritische Unternehmensbereiche zur Verfügung? Welche Maßnahmen kann das Unternehmen zum Schutz vor Ansteckung seiner Mitarbeiter ergreifen? Wie hoch sind die damit verbundenen Kosten?

  • IT- und andere kritische Infrastruktur: Ist die kritische Infrastruktur geschützt und steht sie in ausreichenden Kapazitäten zur Verfügung?

  • Finanzielle Ressourcen: wie lange kann das Unternehmen ohne Inanspruchnahme von externen Quellen (Banken, Anteilseigner, Staat) bei Aufrechterhaltung der Maßnahmen überleben? Wann treten Liquiditätsengpässe ein? Können diese über Inanspruchnahme externer Quellen gemildert werden? Werden im laufenden Jahr Refinanzierungen fällig? Welche Maßnahmen stehen dem Unternehmen angesichts der bestehenden Unsicherheiten bei Verhandlungen mit Banken (Refinanzierung, Stundung von Tilgungen für einen gewissen Zeitraum), Anteilseignern (Patronatserklärungen, Kreditgarantien) oder staatlicher Hilfe (OeKB Überbrückungskredite, AWS Überbrückungskredite und andere staatliche Konstruktionen für ausländische Konzerngesellschaften) konkret zur Verfügung? Was sind die Anspruchsvoraussetzungen und gehört das Unternehmen zum Begünstigtenkreis?

  • Liquidität: Könnten mögliche Covenant-Defaults oder Credit-Downgrades oder ähnliche Effekte anstehen, die die Fähigkeit des Unternehmens zusätzliche Liquidität zu erschließen gefährden könnten?

  • Staatliche Maßnahmen zur wirtschaftlichen Unterstützung: Welche staatlichen Unterstützungsmaßnahmen kann das Unternehmen in Anspruch nehmen (Stundungen von Steuerzahlungen und Sozialversicherungsabgaben, Ausschöpfen von spezifischen Hilfsprogrammen) zwecks Erzielung positiver Liquiditätseffekte?

  • Rationalisierungspotentiale und staatliche Hilfsprogramme: Welche Möglichkeiten stehen dem Unternehmen zur Verfügung, die Kostenseite zu optimieren (reduzierte Arbeitszeiten, Kosteneinsparungen, Vorziehen von Urlaub in Kombination mit staatlichen Programmen wie Kurzarbeit)?

Der Betroffenheitsgrad mag für jedes Unternehmen unterschiedlich intensiv sein, dennoch wird jedes Unternehmen entsprechende Analysen durchführen und Dokumentationen vorhalten müssen. Inwieweit konkrete Bilanzpositionen betroffen sind, hängt ebenfalls von den spezifischen Gegebenheiten des Unternehmens ab. Wir werden Sie im Rahmen unserer Blogserie über die bilanziellen Auswirkungen auf die externe Berichterstattung gruppiert nach Bilanzierungsthemen sowie über Auswirkungen auf die nicht finanzielle Berichterstattung laufend informieren.

Kontakt

Hans Hartmann

Hans Hartmann

Partner, Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS), PwC Austria

Tel: +43 676 833 771 816

Folgen Sie uns