COVID-19 Blog Teil 5: Auswirkungen auf die Finanzberichterstattung – Restrukturierung von Kreditverbindlichkeiten beim Kreditnehmer nach IFRS 9

06/04/20

Vertragsmodifikationen

Einigt sich ein Unternehmen unmittelbar mit seiner finanzierenden Bank auf eine Stundungsvereinbarung oder andere Vertragsmodifikation ohne Zuhilfenahme von staatlichen Förderpaketen, richtet sich die bilanzielle Behandlung nicht nach IAS 20, sondern ausschließlich nach IFRS 9.

Mögliche Vertragsmodifikationen reichen von einer Reduzierung des Zinssatzes, der Verlängerung der Laufzeit bis hin zu einem vorübergehenden Aussetzen von Zins- und Tilgungszahlungen bei bestehenden Kreditverträgen. Diese Änderungen sind nach IFRS 9 qualitativ und quantitativ zu untersuchen, inwieweit sie eine Vertragsmodifikation darstellen oder eine Ausbuchung nach IFRS 9 bewirken.

Bei der quantitativen Analyse wird der neu verhandelte und modifizierte Zahlungsstrom mit dem ursprünglich bestehenden Effektivzinssatz abgezinst. Übersteigt die Differenz zwischen dem Barwert der modifizierten Cashflows (abgezinst mit dem bestehenden Effektivzinssatz) den Barwert der ursprünglichen Cashflows um mehr als 10%, handelt es sich jedenfalls um einen Abgang nach IFRS 9. Die ursprüngliche finanzielle Verbindlichkeit wird vollständig ausgebucht und die neue Kreditverbindlichkeit mit dem Fair Value (= neuer Zahlungsstrom abgezinst mit dem neuen Zinssatz) erfasst. Denkbar wäre eine Ausbuchung auch bei einer wesentlichen Veränderung von qualitativen Kriterien (wie eine wesentliche Änderung in der Besicherung des Kredits, Währungsänderungen oder die Einräumung von Wandlungsrechten), selbst wenn der Barwerttest eine Abweichung von 10% unterschreitet.

Bei allen anderen Modifikationen, die nicht zu einem Abgang führen, ist eine Buchwertanpassung der bestehenden finanziellen Verbindlichkeit ergebniswirksam vorzunehmen. Auch hier wird der Buchwert einer bestehenden finanziellen Verbindlichkeit neu gerechnet, indem der modifizierte Zahlungsplan mit der ursprünglichen Effektivzinsrate abgezinst und mit dem Buchwert der ursprünglichen finanziellen Verbindlichkeit verglichen wird. Etwaige Differenzen sind ergebniswirksam zu erfassen.

Bei einem unterstellten Abgang einer finanziellen Verbindlichkeit anfallende Gebühren oder Kosten werden unmittelbar in der Ergebnisrechnung erfasst. Gebühren oder Kosten, die im Zusammenhang mit einer Vertragsmodifikation entstehen, führen zu einer Anpassung des Buchwerts der finanziellen Verbindlichkeit und werden im Rahmen der Effektivzinsmethode über die Laufzeit der finanziellen Verbindlichkeit erfasst. Von staatlichen Stellen direkt übernommene Gebühren und Haftungsprovisionen sind nicht im Barwerttest nach IFRS 9 zu berücksichtigen, da i.R. von IFRS 9 nur solche Zahlungsströme Beachtung finden, die direkt zwischen Schuldner und Gläubiger vereinbart sind.

In Österreich sind diese vertraglichen Anpassungen nach derzeitigem Stand im Regelfall Verhandlungssache mit den finanzierenden Hausbanken. Abweichend davon haben Regierungen in anderen Ländern (wie etwa in Ungarn) bereits Moratorien in Kraft gesetzt, die es den finanzierenden Banken verbieten, für einen gesetzlich definierten Zeitraum Zins-/Tilgungszahlungen einzuheben. Für Österreich steht die Inkraftsetzung eines Moratoriums für einen bestimmten Begünstigtenkreis im Raum.

Covenantverletzungen

Sollte es einem Unternehmen nicht gelingen, die vertraglichen Zins- und Tilgungszahlungen zu leisten und daher bestehende Kreditvereinbarungen (Covenants) nicht erfüllen, muss eine bisher als langfristig ausgewiesene finanzielle Verbindlichkeit in eine kurzfristige finanzielle Verbindlichkeit in der Bilanz umgegliedert werden, wenn die finanzierende Bank den Kredit fällig stellt. Dies gilt auch dann, wenn die finanzierende Bank im Wertaufhellungszeitraum nach dem Bilanzstichtag auf die Fälligstellung verzichtet. In diesem Zusammenhang sind ev. Regelungen über Moratorien zu berücksichtigen.

IFRS 7 Anhangangaben

In diesem Zusammenhang sind die Pflichtangaben nach IFRS 7 von besonderer Relevanz. Unternehmen haben im Falle von Covenant-Verletzungen folgende Angaben im Anhang anzugeben (IFRS 7.18-19):

  • Einzelheiten zu den Verstößen
  • Buchwert der vom Verstoß betroffenen finanziellen Verbindlichkeiten
  • Angabe darüber, ob die Vertragsverletzung behoben wurde oder die Vertragsbedingungen neu ausgehandelt wurden, bevor der IFRS-Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben wurde.

Unternehmen haben auch gewährte Sicherheiten anzugeben (IFRS 7.14):

  • Buchwert der als Sicherheiten gewährten Vermögenswerte
  • Bedingungen und Konditionen der gewährten Siherheiten.

Viele Unternehmen setzen zur Liquiditätsabsicherung derzeit auf die Ausweitung von zusätzlichen, nicht kommitierten Kreditlinien. Ein Unternehmen hat in seiner Finanzrisikoberichterstattung im Zusammenhang mit der Steuerung der Liquiditätsrisiken über die vom Management getroffenen Maßnahmen zur Sicherung und Optimierung der Liquidität zu berichten.

Kontakt

Hans Hartmann

Hans Hartmann

Partner, Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS), PwC Austria

Tel: +43 676 833 771 816

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