Heute, am 3. Dezember 2025, hat das International Accounting Standards Board (IASB) den lang erwarteten Exposure Draft Risk Mitigation Accounting (RMA) veröffentlicht. Dieses Projekt, das zuvor unter dem Namen Dynamic Risk Management bekannt war, wurde umbenannt, um den Schwerpunkt klarer zu verdeutlichen: die Abbildung von Strategien zum Management von Zinsrisiken.
Der neue RMA-Ansatz soll eine bessere Übereinstimmung zwischen Risikomanagement und Rechnungslegung schaffen, mehr Transparenz für Investoren bieten und die Effekte von offenen Portfolios sowie häufigen Änderungen im Risikomanagement getreu darstellen.
Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre dynamischen Strategien zur Steuerung von Zinsänderungsrisiken transparent in den Abschlüssen darzustellen. Die bestehenden Hedge-Accounting-Regelungen in IFRS 9 und IAS 39 sind für diese komplexen Ansätze oft nicht geeignet. Dies führt zu eingeschränkter Transparenz, komplexen Proxy-Hedges und einer fehlenden Abbildung dynamischer Risikomanagementaktivitäten.
Der finale Fassung Risk Mitigation Accounting wird Banken vor erhebliche Herausforderungen stellen. Das Modell ist komplex und erfordert ein tiefes Verständnis der neuen Konzepte wie Risk Mitigation Objective und Benchmark-Derivate. Darüber hinaus sind umfangreiche Datenverfügbarkeit und präzise Modellierungen notwendig, um das Net Repricing Risk Exposure zu bestimmen. Die Anwendung des Modells verlangt neue Prozesse, Anpassungen in IT-Systemen und zusätzliche Offenlegungen nach IFRS 7. Um die Komplexitäten bewältigen zu können, ist es daher wichtig bereits in diese Phase Vorbereitungen zu treffen, um auf die finale Fassung noch Einfluss nehmen zu können.
Das vorgeschlagene Modell ist optional und richtet sich an Unternehmen, die Repricing-Risiken auf Netto-Basis managen. Die Anwendung erfordert eine formale Dokumentation der Strategie und des Risk Mitigation Objective. Unternehmen müssen die relevanten Portfolios identifizieren, Benchmark-Derivate konstruieren und eine Risk Mitigation Adjustment erfassen, um Bewertungsunterschiede zwischen Derivaten und Portfolios auszugleichen. Ziel ist es, die wirtschaftlichen Effekte der Risikominderung in den Abschlüssen darzustellen.
Unternehmen aggregieren Repricing-Risiken über mehrere Portfolios. Laut IASB sollen Finanzinstrumente dabei auf Zeitbänder entsprechend ihres erwarteten Repricing-Datums verteilt werden – und zwar für den Zeitraum, in dem das Risiko gemindert wird. Die daraus entstehende Netto-Exponierung pro Zeitband, die sogenannte „Net Repricing Risk Exposure“, wird auf Basis des vom Unternehmen gewählten Benchmark-Zinssatzes ermittelt, der die Grundlage für das Risikomanagement und festgelegte Risikolimite bildet.
Zu den zulässigen Positionen zählen Finanzinstrumente, die entweder zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zum beizulegenden Zeitwert über das sonstige Ergebnis (FVOCI) bewertet werden, Verbindlichkeiten zu fortgeführten Anschaffungskosten sowie bestimmte zukünftige Geschäfte wie beispielsweise die erwartete Reinvestment und Refinanzierung bestehender Posten, sofern diese als variabel verzinsliche Positionen behandelt werden. Ebenfalls eingeschlossen sind die hochwahrscheinlichen Anteile geplanter Transaktionen oder fest zugesagte Verpflichtungen. Auch Finanzinstrumente, die einzeln möglicherweise nicht als gesichertes Grundgeschäft infrage kommen – beispielsweise Kundeneinlagen und andere auf Abruf rückzahlbare Finanzverbindlichkeiten – können dennoch als Teil der zugrundeliegenden Portfolios berücksichtigt werden.
Die IASB-Vorschläge sehen die Einführung einer Risk Mitigation Adjustment vor. Ein Teil der Gewinne oder Verluste aus Designated Derivatives wird in der Bilanz erfasst und später erfolgswirksam, wenn Repricing-Differenzen die Gewinn- und Verlustrechnung beeinflussen. Die Bewertung erfolgt nach dem Lower-of-Test, bei dem die kumulierten Gewinne oder Verluste der Designated Derivatives mit den kumulierten Änderungen des Fair Value der Benchmark-Derivate verglichen werden. Benchmark-Derivate sind theoretische Instrumente, die die mitigierten Risiken abbilden.
Die Anwendung von Risk Mitigation Accounting bleibt bestehen, solange die Risikomanagementstrategie unverändert ist. Dynamische Anpassungen wie Änderungen des Risk Mitigation Objective führen nicht zur Beendigung. Wenn jedoch die Risikomanagementstrategie grundlegend geändert wird, muss die Anwendung beendet werden. In diesem Fall wird die Risk Mitigation Adjustment sofort erfolgswirksam erfasst, wenn keine zukünftige Auswirkung auf die Gewinn- und Verlustrechnung besteht, oder ansonsten amortisiert.
Die IASB schlägt vor, dass das Risk Mitigation Accounting prospektiv angewendet wird. Um die Einführung des Risk Mitigation Accounting zu erleichtern, darf ein Unternehmen zum Zeitpunkt des Übergangs bestehende Hedge-Beziehungen gemäß IFRS 9 auflösen oder die Fair Value Option widerrufen.
Die Frist zur Einreichung von Kommentaren endet am 31. Juli 2026.
Alle Details zum Exposure Draft sowie die Möglichkeit zur Stellungnahme finden Sie auf der offiziellen IASB-Webseite.
Managerin, IFRS und ESG, Corporate Reporting Services, PwC Austria
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Andreas Hölzl
Senior Manager, Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS) und Financial Services (FS), PwC Austria
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