Die Herausforderungen sind groß - Familienunternehmen nutzen Innovation und Kooperationen zunehmend als Wettbewerbsvorteil
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Rudolf Krickl
Senior Partner, Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Entrepreneurship,
PwC Österreich
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Familienunternehmen haben sich in den vergangenen Jahren zahlreichen Herausforderungen gestellt und zeigen weiterhin große Widerstandskraft. Ihre ökonomische Situation ist schwierig geworden – das betrifft insbesondere die deutschsprachigen Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Wachstumserwartungen für die kommenden zwei Jahre sind gedämpft, fast ein Drittel musste im Jahr 2025 Umsatzrückgänge verkraften.
Die Wachstumschancen durch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz werden zunehmen erkannt. In der Praxis aber agieren sie zurückhaltend und konzentrieren sich lieber auf ihr Kerngeschäft. Das sind zentrale Ergebnisse des zwölften Family Business Survey 2025, für den PwC 1.325 Familienunternehmen aus 62 Ländern befragt hat, darunter 150 aus der DACH-Region.
„Die traditionellen Stärken von Familienunternehmen – Stabilität und Langfristigkeit – werden auf eine harte Probe gestellt. Die Zahlen zeigen, dass die alleinige Konzentration auf das Kerngeschäft in der heutigen Zeit nicht mehr ausreicht. Der Druck kommt von allen Seiten und zwingt die Unternehmen, ihre bisherigen Strategien fundamental zu überdenken.“
Geopolitische Machtverschiebungen, technologische Umbrüche und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Die Krisen der vergangenen Jahre haben ihre Spuren in den Bilanzen vieler Firmen hinterlassen – auch in jenen etlicher deutschsprachigen Familienunternehmen. Dennoch konnten 41 Prozent der befragten Unternehmen im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum erzielen, 30 Prozent mussten Rückgänge verkraften.
Auffällig ist, dass die deutschsprachigen Familienunternehmen mehr zu kämpfen haben als ihre weltweiten Pendants (global: 57 Prozent Wachstum, 15 Prozent Rückgang). Die traditionell starke Export-Orientierung ist hier eine besondere Belastung.
Für die kommenden zwei Jahre erwarten 58 Prozent der DACH-Familienunternehmen ein Wachstum – 15 Prozentpunkte weniger als im weltweiten Vergleich.
Deutschsprachige Familienunternehmen begegnen einem hohen globalen Markt- und Wettbewerbsdruck, wie 74 Prozent der Befragten bestätigen (global: 60 Prozent). Er entsteht etwa durch günstige Importe aus China, die zum Teil staatlich subventioniert werden.
Weitere Herausforderungen für Familienunternehmen sind die Talent- und Führungskräfteentwicklung mit 55 Prozent. Zusätzlich stellen steigende Anforderungen im Bereich Regulierung und Compliance für 34 Prozent eine Hürde dar.
Familienunternehmen haben das transformative Potenzial von Technologien wie Künstlicher Intelligenz klar erkannt. 71 Prozent sehen in der digitalen Transformation und Automatisierung, 65 Prozent in (generativer) Künstlicher Intelligenz Marktchancen für ihr Unternehmen – Werte, die über dem globalen Durchschnitt liegen (65 bzw. 61 Prozent).
Soweit die Theorie. In der Praxis sind die Unternehmen allerdings noch ausgesprochen zurückhaltend: Lediglich 24 Prozent bezeichnen sich als Early Adopter; 55 Prozent investieren nur selektiv und konzentrieren sich lieber auf ihr Kerngeschäft. Damit lässt sich das volle Potenzial von KI nicht ausschöpfen, wie auch der aktuelle PwC CEO Survey zeigt. Die meisten CEOs sehen noch keine konkreten Vorteile für ihr Unternehmen.
Zurückhaltend zeigen sich die deutschsprachigen Familienunternehmen auch, wenn es um strategische Partnerschaften und Kooperationen geht. Doch die Bereitschaft, diese zu nutzen, wächst. Die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, Startups und Forschungseinrichtungen bietet die Chance, sich Zugang zu neuen Technologien und externem Know-how zu sichern – gerade in herausfordernden Zeiten ist das essenziell. Außerdem sichern sich Unternehmen so den Zugang zu neuen Talenten.
Zudem erkennen immer mehr Familienunternehmen die Bedeutung vielfältiger Perspektiven für ihren Erfolg. So haben vier von zehn Unternehmen externe Führungskräfte in die Geschäftsführung geholt, um von ihrem Know-how zu profitieren und sich an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Ein Drittel plant außerdem, die Zusammensetzung von Beirat oder Aufsichtsrat weiter zu diversifizieren. Denn Teams mit unterschiedlichen Blickwinkeln – etwa zu Themen wie Künstlicher Intelligenz oder Nachhaltigkeit – erzielen nachweislich bessere Ergebnisse und stärken so die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen.
Unternehmen, die sich in disruptiven Zeiten behaupten wollen, müssen gezielt in digitale Kompetenzen und neue Technologien wie KI-Anwendungen investieren. Die ersten wichtigen Schritte: Einzelne und konkrete Use Cases identifizieren, die Belegschaft schulen und: Angst und Vorbehalte abbauen.
Familienunternehmen können von Kooperationen mit Startups, anderen Familienunternehmen und Forschungseinrichtungen profitieren. Der Blick über den Tellerrand erweitert die Perspektive, sichert den Zugang zu neuen Technologien und wichtigem Know-how. Außerdem kann dadurch der Fachkräftemangel in speziellen Bereichen wie IT und KI abgemildert werden.
Es ist sinnvoll, regelmäßig die Zusammensetzung der Führungs- und Beiratsgremien zu überprüfen. Expertise von außen und Diversität stärken die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.
Ebenso wichtig für die Zukunftsfähigkeit eines Familienunternehmens: die nächste Generation fördern und vorausschauend Nachfolgepläne entwickeln. Ein Drittel der befragten Unternehmen hat noch keinen klaren Nachfolgeplan. Das ist ausgesprochen riskant – gerade im Hinblick auf die Alterung von Familienunternehmer:innen.
Die Lage für Familienunternehmer verändert sich rasant. Daher ist es wichtig, das eigene Tempo zu erhöhen und die Vorteile eines Familienunternehmens zu nutzen: in flachen Hierarchien mit kurzen Entscheidungswegen zu arbeiten und offen für Veränderungen zu sein.
„Der Wille ist da, entscheidend wird jetzt aber die Umsetzung sein. Die Botschaft an die Unternehmen lautet: Tempo aufnehmen, sich für neue Wege öffnen und die nächste Generation aktiv einbinden. Denn nur wer Geschwindigkeit, Offenheit und Innovationskraft vereint, kann in einer komplexen Welt als Vorreiter bestehen und die Zukunft seines Unternehmens langfristig sichern.“
Rudolf Krickl, CEO und Family Business Leader, PwC ÖsterreichFür die Studie wurden 1.325 Familienunternehmen aus 62 Ländern befragt, darunter 150 aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz). Unter ihnen stammt die Hälfte aus dem industriellen Mittelstand.
12. Family Business Survey, Auskopplung DACH-Region
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