Nachhaltigkeitsrisiken im Risikomanagement – Eine Betrachtung des Status Quo

Nachhaltigkeitsrisiken
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  • Juni 19, 2026

Eine PwC-Umfrage unter österreichischen Unternehmen zeigt: ESG-Risiken werden in Governance, Risikoidentifikation und Reporting zunehmend verankert. Der entscheidende nächste Schritt ist nun die wirksame Steuerung.

37 %

haben heute noch keine einheitliche Definition von Nachhaltigkeitsrisiken

59 %

existiert kein Frühwarn- oder internes Kontrollsystem

67 %

nutzen externe Quellen zur Identifikation von Risiken

48 %

beziehen Nachhaltigkeitsrisiken in die Kapital- und Liquiditätsplanung ein

Nachhaltigkeitsrisiken sind längst kein reines Reporting-Thema mehr. Sie beeinflussen Geschäftsmodelle, Finanzierungskonditionen, regulatorische Resilienz und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Mit dem wachsenden regulatorischen Druck – unter anderem durch CSRD/ESRS, CSDDD, EUDR sowie die zunehmende Berücksichtigung von ESG-Faktoren in der Kapitalvergabe – wird die Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in das Enterprise Risk Management (ERM) zur geschäftskritischen Notwendigkeit.

Eine aktuelle PwC-Umfrage unter Unternehmen aus Österreich zeigt jedoch: Viele Organisationen haben zwar erste Strukturen aufgebaut, die tatsächliche Verankerung von Nachhaltigkeitsrisiken in Steuerungs- und Überwachungsprozessen ist jedoch vielfach noch nicht ausreichend entwickelt. Die Ergebnisse machen deutlich, wo Unternehmen bereits gut aufgestellt sind – und an welchen Stellen jetzt konkreter Handlungsbedarf besteht.

ESG-Risiken bedrohen den Unternehmenswert, die Reputation und die Stabilität durch physische Schäden oder Übergangsrisiken​

Unter Nachhaltigkeitsrisiken fallen nicht nur physische Klimarisiken wie Hochwasser, Hitzeperioden oder Lieferkettenunterbrechungen. Ebenso relevant sind transitorische Risiken aus dem Übergang zu einer CO₂-armen Wirtschaft, etwa neue gesetzliche Anforderungen, technologische Disruptionen oder Marktverschiebungen. Hinzu kommen soziale und Governance-bezogene Risiken wie Arbeitsbedingungen, Diskriminierung, Produktsicherheit, Compliance-Verstöße, Greenwashing oder Datenschutzmängel.

Wer diese Risiken nicht systematisch identifiziert, bewertet und steuert, riskiert nicht nur Reputationsschäden, sondern auch höhere Kapitalkosten, eingeschränkten Finanzierungszugang und strategische Fehlsteuerung. ESG-Risiken wirken damit unmittelbar auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen.

Über die Umfrage

Im Rahmen der PwC-Umfrage wurden im zweiten Halbjahr 2025 insgesamt 30 Unternehmen branchenübergreifend zur Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in ihr Risikomanagement befragt. Rund 90% der teilnehmenden Unternehmen sind Großbetriebe mit einem Nettoumsatz von mehr als 50 Millionen Euro. Die Bewertung erfolgte anhand von 29 Fragen und einer Reifegradskala von 0 bis 3 über sieben zentrale Dimensionen des Nachhaltigkeitsrisikomanagements.

Grundlagen & Governance

Schaffung einer soliden Basis für das Nachhaltigkeitsrisikomanagement durch klare Verantwortlichkeiten, strategische Verankerung und Einbindung des Managements.

7 Dimensionen im ESG Risikomanagement

Risikoidentifikation

Systematische Erfassung aller relevanten Nachhaltigkeitsrisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette, unter Berücksichtigung interner und externer Faktoren.

7 Dimensionen im ESG Risikomanagement

Risikobewertung

Methodische Analyse der identifizierten Risiken zur Bestimmung ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und potenziellen Auswirkungen auf das Unternehmen, auch unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien.

7 Dimensionen im ESG Risikomanagement

Risikosteuerung und -überwachung

Entwicklung und Implementierung von Maßnahmen zur Minimierung und Kontrolle der Nachhaltigkeitsrisiken, begleitet von einem kontinuierlichen Monitoringprozess..

7 Dimensionen im ESG Risikomanagement

Integration ins ERM

Nahtlose Einbettung des Nachhaltigkeitsrisikomanagements in das unternehmensweite Risikomanagementsystem für ein ganzheitliches Risikoverständnis.

7 Dimensionen im ESG Risikomanagement

Berichterstattung und Offenlegung

Transparente und konforme Kommunikation der Nachhaltigkeitsrisiken und -performance gegenüber Stakeholdern, unter Berücksichtigung relevanter Standards und regulatorischer Anforderungen.

7 Dimensionen im ESG Risikomanagement

Schulung und Weiterentwicklung

Kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter:innen und Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsrisikomanagements zur Sicherstellung von Expertise und Anpassungsfähigkeit an dynamische Rahmenbedingungen.​

7 Dimensionen im ESG Risikomanagement

Drei Reifegrade: Von reaktiv bis strategisch integriert

Basierend auf den Dimensionen lassen sich die befragten Unternehmen in drei Reifegrade unterteilen: ​

  • Top Performer (Strategische Vorreiter): Diese Unternehmen behandeln ESG-Risiken als geschäftskritische Kerndaten. ESG ist vollumfänglich in die bestehenden Risikomanagement-Systeme (ERM) integriert. ​

  • Average Performer (Solide Praktiker): Hier steht die Erfüllung regulatorischer Anforderungen im Fokus. Es gibt klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Berichte. Es existieren jedoch Bereiche zur Weiterentwicklung. ​

  • Low Performer (Reaktive Nachzügler): Diese Gruppe agiert primär ad-hoc und getrieben durch externen Druck. ESG-Risiken werden als reines "Reporting-Thema" gesehen, ohne steuernde Wirkung. Es fehlen systematische Überwachungsprozesse, die Datenlage ist lückenhaft, und das Wissen im Unternehmen ist auf wenige Personen beschränkt.

Viele Unternehmen haben Nachhaltigkeitsrisiken bereits organisatorisch aufgenommen, berichten darüber und haben erste Bewertungsmechanismen etabliert. Was jedoch häufig fehlt, ist die konsequente Übersetzung in belastbare Steuerungslogiken, Frühwarnsysteme, Schwellenwerte, Key Risk Indicators (KRIs) und laufende Wirksamkeitskontrollen

Der zentrale Hebel: Von der Identifikation zur aktiven Steuerung

Die wichtigste Erkenntnis der Studie lautet daher: Der nächste Reifegradschritt liegt nicht primär in zusätzlicher Offenlegung, sondern in der aktiven Steuerung von Nachhaltigkeitsrisiken. Unternehmen müssen weg von einer rein dokumentations- und berichtsorientierten Herangehensweise und hin zu einem Ansatz, bei dem ESG-Risiken systematisch in Entscheidungsprozesse, Kapitalallokation, Risikostrategie, Investitionslogiken und interne Kontrollsysteme eingebettet werden. 

Dafür braucht es insbesondere: 

  • einheitliche ESG-Datenstandards und klare KPIs/KRIs,

  • definierte Schwellenwerte und Frühwarnmechanismen,

  • Szenarioanalysen und Stresstests,

  • klare Rollen und Verantwortlichkeiten, 

  • eine engere Verzahnung zwischen Risk, Finance und Sustainability,

  • sowie einen strukturierten Kompetenzaufbau in den betroffenen Funktionen

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Kontakt

Paul Czech

Paul Czech

Director, Sustainability, PwC Austria

Tel: +43 676 833 779 886

Erwin Stampfer

Senior Manager, GRC, PwC Austria

Tel: +43 676 314 882 0

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