Diese Studie will kein Alarmruf sein, sondern eine sachliche Bestandsaufnahme. Sie zeigt, wo Österreich heute steht, welche Sektoren bereits Kreislaufmechanismen erfolgreich integrieren – und wo rechtliche, wirtschaftliche oder strukturelle Hürden den Übergang noch bremsen. Sie verknüpft aktuelle Daten zu Materialflüssen und Wertschöpfung mit den Einschätzungen führender Branchenvertreter und bietet damit ein realistisches Bild einer Wirtschaft im Wandel.
Unser lineares Wirtschaftsmodell ist nicht nachhaltig. Es sollte durch die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ersetzt werden. Denn: Die globale Nachfrage nach Ressourcen übersteigt, was die Erde selbst erneuern kann.
Die Kreislaufwirtschaft hat sich in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld als widerstandsfähig erwiesen. Der Fortschritt zeigt sich in einer Kombination aus höherer Zirkularität, stabiler Beschäftigung, steigender nominaler Wertschöpfung und anhaltenden Investitionen. Die aktuellsten verfügbaren ökonomischen Daten aus dem Jahr 2023 zeigen: 13.793 Unternehmen sind Teil der heimischen Kreislaufwirtschaft und verzeichneten mit 50.882 Vollzeitäquivalenten eine Bruttowertschöpfung von rund 4,5 Mrd. Euro.
Diese Definition der Kreislaufwirtschaft basiert auf einer von der EU festgelegten Methodik, die bestimmte NACE-Codes heranzieht. Diese umfassen aktuell ausschließlich Unternehmen aus den Bereichen Recycling, Reparatur und Wiederverwendung. Ein Lebensmittelhersteller oder eine Supermarktkette, die beispielsweise aktiv Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft setzen, werden dabei nicht mitgezählt.
Ein weiterer wichtiger Indikator, um die Kreislaufwirtschaft messbar zu machen, ist darüber hinaus die Zirukularitätsrate. Sie misst den Anteil von Sekundär- oder Recyclingmaterial am gesamten Materialeinsatz einer Volkswirtschaft. Die Zirkularitätsrate lag in Österreich im Jahr 2023 bei 13,8 % (2024: 15,2 %) und damit deutlich über dem EU-Durchschnitt (12,1 %), wodurch das österreichische Ziel von 18 % bis 2030 einen Schritt näher gerückt ist.
Die geführten Interviews mit Unternehmen aus Schlüsselsektoren der heimischen Kreislaufwirtschaft geben vertiefte Brancheneinblicke und verdeutlichen eine duale Lage: der Kreislaufwirtschaft werden hohe strategische und operative Potenziale zugeschrieben, zugleich bestehen spürbare – insbesondere rechtliche – Hürden. Insbesondere ein innereuropäisch einheitliches Verständnis von Abfall- und Produktstatus ist zentral für das Funktionieren zirkulärer Wertschöpfung.
Die Studie schließt mit fünf strategischen Handlungsfeldern in den Bereichen Monitoring, Markt und Wirtschaft, Regulatorik, Forschung und Entwicklung sowie Gesellschaft und Bildung.