Malen wir uns Folgendes aus: Eine Key-Account-Managerin bereitet sich auf ein wichtiges Kundengespräch vor. Microsoft Copilot ist in Outlook & Teams integriert, bietet Auto-Summaries, Recherchehilfen und Textvorschläge. Ein Copilot-Tool könnte aus ihren CRM-Daten automatisch die letzten Kundeninteraktionen zusammenfassen und sie kurz briefen. Doch in Unwissenheit, wie sie die KI genau einsetzen soll – also ob das Tool funktioniert und ob sie das überhaupt „darf“ – greift sie zurück auf die altbekannte PowerPoint und einen veralteten Gesprächsleitfaden. Das Gespräch läuft okay, aber nicht großartig. Die KI hätte ihr wertvolle Hinweise geben können – wären sie genutzt worden.
Diese Geschichte steht beispielhaft für ein Dilemma, mit dem zurzeit viele Unternehmen konfrontiert sind: Die sogenannte AI Fluency Gap – eine Lücke zwischen der technologischen Gelegenheit und Wissen, wie Kundenkontakte mithilfe dieser KI-Tools zu maximieren sind.
Vertriebler:innen haben den Blick auf Kommunikation, Beziehung und Produktexpertise gerichtet. Die neue KI wird vielmals als etwas Zusätzliches, Abstraktes wahrgenommen – technisch, schwer vorstellbar und unklar, wann warum sinnvoll. Insbesondere heikel ist: Viele Unternehmen sind zögerlich, wenn es darum geht, KI in den kundennahen Rollen einzusetzen.
Vom Datenschutz über die Compliance bis hin zur Angst, das Kontrollierte über ihre Kundenbeziehung zu verlieren. Oft wird lieber jeglicher GPT-geförderte Softwareeinsatz blockiert, anstatt klare Leitplanken für den Einsatz zu kommunizieren.
Das Resultat: Gerade Vertriebler:innen bleiben häufig ohne Anschluss an moderne Tools – oder können mit diesen zum Teil wenig anfangen.
Moderne GenAI-Tools wie Microsoft 365 Copilot und spezialisierte Copilot Agents sind hilfreiche Supporter, keine Einzelkämpfer. Die KI liefert zwar die Ideen, Analysen oder Zusammenfassungen – die Entscheidung behält jedoch immer der Mensch. Das macht sie sicher:
Und ganz wichtig: Gerade im Microsoft-Kontext fügen sich KI-Funktionen ganz selbstverständlich in Outlook, Teams, Word oder PowerPoint ein. So durchbrechen sie nicht Ihren Workflow, sondern unterstützen darin.
Anstelle von allgemeinen Schulungen sind spezifische, praxisnahe Trainings für den Vertrieb gefragt: Use-Case-Demos, die zeigen, wie Copilot bei der Vorbereitung von Kundenterminen oder in der E-Mail-Kommunikation unterstützt. Kurze Formate wie Video-Coachings, die alltägliche Szenarien realistisch darstellen.
Einige Unternehmen veranstalten Prompt-a-thons, bei denen Vertriebsteams in Wettbewerben die besten Prompts für gängige Herausforderungen (wie Angebotsmails, Terminabsagen oder Meeting-Zusammenfassungen) entwickeln. Das fördert spielerisch den Umgang mit KI und verringert Berührungsängste.
KI sollte dort helfen, wo die Arbeit stattfindet. Beispiele:
Erfolgreiche Unternehmen setzen auf AI Champions – engagierte Mitarbeiter:innen aus den Fachbereichen, die frühzeitig mit KI experimentiert haben und nun als Multiplikatoren fungieren. Sie bieten Peer-Support, leiten Mini-Workshops und schaffen Vertrauen.
Wenn Führungskräfte Copilot aktiv nutzen und darüber sprechen, senkt das die Hemmschwelle im Team. Auch das Zulassen von Fehlern und das Ausprobieren schaffen psychologische Sicherheit, die für Lernprozesse entscheidend ist.
Erste Einblicke aus verschiedenen Branchen zeigen, dass der Einsatz von Copilot in vertriebsnahen Positionen zu spürbaren Effizienzgewinnen und einer verbesserten Kundenkommunikation führt. Ob es um die Vorbereitung von Meetings, das Erstellen von Angebotsentwürfen oder das Versenden von Follow-up-Mails geht – die Mitarbeitenden schätzen die Unterstützung, besonders wenn sie nahtlos in ihre gewohnten Tools integriert ist. Insbesondere in regulierten Branchen wie der Pharmaindustrie oder den Finanzdienstleistungen wird Copilot derzeit schrittweise eingeführt. Der Schwerpunkt liegt auf klaren Governance-Strukturen, dem Rollout in Pilotteams und dem gezielten Aufbau von Anwendungskompetenz.
Die Tools sind bereit für den Einsatz, und die Chancen liegen auf dem Tisch. Doch ohne eine durchdachte Enablement-Strategie bleibt viel Potenzial ungenutzt. AI Fluency ist kein IT-Projekt, sondern eine Investition in die Zukunft des Vertriebs. Wenn Sie bereit sind, den nächsten Schritt zu gehen und Ihre vertriebsnahen Teams für den intelligenten Einsatz von Copilot & Co. fit zu machen, dann sprechen Sie mit uns. Wir unterstützen Sie bei der Strategie, dem Enablement und der sicheren Einführung von KI im Kundenkontakt.
Autor:
Hai Son Nguyen
Quellen:
Forbes: AI-Powered Customer Service: A New Era. https://www.forbes.com/sites/forbestechcouncil/2025/02/20/ai-powered-customer-service-a-new-era
Time: As Employers Embrace AI, Workers Fret and Seek Input. https://time.com/6990637/ai-employers-workers/
Forbes: How Customer Support Businesses Can Survive In The Age Of AI. https://www.forbes.com/sites/forbesbusinesscouncil/2024/07/23/how-customer-support-businesses-can-survive-in-the-age-of-ai-seven-tested-tactics
Forbes: Redefining Customer Experience: AI and Change Management. https://www.forbes.com/sites/forbestechcouncil/2025/06/04/redefining-customer-experience-ai-adoption-and-change-management-go-hand-in-hand