Der aktuelle PwC Women in Work Index zeigt: Österreich belegt im internationalen Vergleich nur Platz 27 von 33 OECD-Ländern. Trotz jahrelanger Diskussionen über Gleichstellung und Chancengerechtigkeit sind faire Karriereperspektiven für Frauen weiterhin keine Selbstverständlichkeit.
Der Anteil vollzeitbeschäftigter Frauen ist im Vergleich zum Vorjahr von 65,8 % auf 64,5 % gesunken. Männer hingegen sind mit 90,2 % deutlich häufiger in Vollzeit tätig.
Zwar liegt die Arbeitslosenquote von Frauen mit rund 5 % unter jener der Männer (rund 6 %), doch diese Zahl greift zu kurz: Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, sind unterbezahlt und haben geringere Aufstiegschancen. Erwerbstätigkeit bedeutet daher nicht automatisch wirtschaftliche Gleichstellung.
Auch beim Einkommen bleibt die Lücke groß: Mit 17,6 % liegt der Gender Pay Gap in Österreich weiterhin deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 12,4 % – trotz eines leichten Rückgangs um 0,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
„Während Unternehmen mit wirtschaftlichen Herausforderungen kämpfen, gerät Gleichstellung häufiger in den Hintergrund. Gleichstellung braucht eine klare Verankerung in der Unternehmensstrategie, flexible Arbeitszeitmodelle, neue Führungsformen wie Dual Leadership und angepasste HR-Prozesse im Recruiting und Talent Management.“
Agatha Kalandra,Vorstandsmitglied und Sustainability-Leaderin bei PwC ÖsterreichObwohl sich alle Länder seit Einführung des Index im Jahr 2011 verbessert haben, hat sich das Tempo der Fortschritte im aktuellen Berichtsjahr deutlich verlangsamt. Hauptursachen sind ein historischer Rückgang der Vollzeitbeschäftigung von Frauen sowie steigende Arbeitslosenquoten.
Zwischen 2023 und 2024 verbesserte sich der OECD-Durchschnitt lediglich um 0,6 Punkte – das entspricht nur der Hälfte der durchschnittlichen jährlichen Verbesserung seit 2011 und stellt den geringsten Anstieg seit der COVID-Pandemie dar.
Dennoch haben sich einige geschlechtsspezifische Unterschiede weiter verringert: Der Gender Pay Gap sank deutlich von 13,0 % auf 12,4 % – der stärkste Rückgang der vergangenen fünf Jahre. Auch die Lücke bei der Erwerbsbeteiligung verringerte sich weiter und fiel von 8,8 % auf 8,5 %.
An der Spitze des Rankings stehen zum fünften Mal in Folge: Island, Luxemburg, Neuseeland, Schweden und Slowenien.
Diese Länder setzen konsequent auf strukturelle Maßnahmen wie flexible Elternzeitmodelle, flächendeckende Kinderbetreuung, garantierte Betreuungsplätze sowie großzügigen Elternurlaub für beide Elternteile.
Island sticht besonders hervor: Mit einer Erwerbsbeteiligungsquote von 85,1 % liegt das Land deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 73,1 %. Der Erfolg basiert auf klaren politischen Rahmenbedingungen und einer Unternehmenskultur, die Vereinbarkeit selbstverständlich macht.
Ein positiver Impuls kommt aus Brüssel: Mit Inkrafttreten der EU-Entgelttransparenzrichtlinie im Juni 2026 werden Arbeitgeber verpflichtet, Gehaltsspannen in Stellenanzeigen anzugeben, Vergleichsgehälter offenzulegen und Fragen nach bisherigen Einkommen zu unterlassen.
Diese Maßnahmen sollen dem Gender Pay Gap wirksam entgegenwirken und mehr Transparenz in Vergütungsstrukturen bringen.
„Die Erfahrungen der Spitzenländer zeigen klar: Investitionen in strukturelle Maßnahmen wirken. Fehlende Kinderbetreuung, starre Arbeitsmodelle und anhaltende Gehaltsunterschiede verhindern hingegen, dass top ausgebildete Talente voll genutzt werden.“
Agatha Kalandra,Vorstandsmitglied und Sustainability-Leaderin bei PwC ÖsterreichHinweis: Im diesjährigen Bericht präsentieren wir die aktuellsten Indexergebnisse auf Basis von Daten aus dem Jahr 2024. Aufgrund einer zeitlichen Verzögerung bei der Datenverfügbarkeit in allen 33 Ländern unseres Index handelt es sich hierbei um die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuellsten verfügbaren Jahresdaten. Mit „aktuellsten Ergebnissen“ sind Ergebnisse gemeint, die auf Daten aus dem Jahr 2024 basieren. (Ebenso enthielt unser Bericht von 2025 die aktuellsten Indexdaten auf Basis von Daten aus dem Jahr 2023 usw.) Unsere Produktivitätsanalyse basiert auf Daten aus dem Jahr 2024 und wird nominal dargestellt.
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