PwC Studie

Arbeiten im Wandel der Lebensphasen

Business Partners
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  • Juli 08, 2026

Menschen durchlaufen unterschiedliche Lebensphasen und mit ihnen verändern sich auch ihre Bedürfnisse, Belastungen und Erwartungen an Arbeit. Für Unternehmen bedeutet das: Einheitliche Standardlösungen reichen nicht mehr aus. Unsere aktuelle Studie „Arbeiten im Wandel der Lebensphasen“ zeigt, dass sich die Bedürfnisse von Beschäftigten weniger an klassischen Altersgruppen orientieren als an konkreten Lebenssituationen.

75 %

bevorzugen lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle

23 %

sagen, dass ihre Arbeitsfähigkeit in den letzten zwei Jahren nicht gefördert wurde

32 %

nennen Zusammenhalt im Team und Flexibilität als die wichtigsten Hebel für Arbeitsfähigkeit

63 %

berichten von gestiegener psychischer Belastung

Die Studie „Arbeiten im Wandel der Lebensphasen“ basiert auf einer Befragung von rund 1.100 Berufstätigen in Österreich. Sie untersucht, wie sich Bedürfnisse und Anforderungen im Berufsleben je nach Lebensphase verändern, mit Blick auf Arbeitsfähigkeit, Belastung, Entwicklung, Vereinbarkeit unterstützende Rahmenbedingungen und den Übergang in die Pension. Ziel ist das differenzierte Verständnis dafür zu schaffen, welche Bedürfnisse Beschäftigte in verschiedenen Lebensrealitäten besitzen und welche Konsequenzen sich darauf für eine zukunftsfähige Workforce und HR Strategy ableiten lassen.

Bedeutung von Arbeit

Bedeutung von Arbeit

Für viele Beschäftigte bleibt Arbeit vor allem ein Sicherheitsanker: 59 % nennen ein sicheres Einkommen als wichtigste Bedeutung von Arbeit. Besonders ausgeprägt ist dieses Motiv bei Personen mit Pflegeverantwortung (73 %) sowie bei Beschäftigten in beruflicher Neuorientierung (67 %). Gleichzeitig verschiebt sich die Bedeutung von Arbeit entlang der Lebensphasen: Während am Berufsbeginn persönliche Entwicklung stärker im Vordergrund steht, gewinnt in späteren Berufsphasen der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun, an Relevanz.

Arbeitspräferenzen zwischen Wandel und Sicherheit

Beschäftigte suchen nicht nach mehr Standardisierung, sondern nach verlässlicher Individualisierung. Die Grafik zeigt, wie sich die Befragten zwischen jeweils zwei Antwortoptionen positionieren. Dabei wird deutlich: Sobald Flexibilität, Technologie oder Transformation in ein Spannungsfeld mit Sicherheit treten, wird der Wunsch nach Stabilität sichtbar. Sicherheit bleibt damit ein zentraler Orientierungspunkt, auch in einer zunehmend flexiblen und dynamischen Arbeitswelt.

Zwischen Wandel und Sicherheit

Die Ergebnisse zeigen klar: Beschäftigte wünschen sich keine starren Standardmodelle, sondern verlässliche, situationsgerechte Lösungen. Der stärkste Gestaltungsimpuls liegt dabei in lebensphasenorientierten Arbeitsmodellen: 75 % bevorzugen flexible Lösungen, die sich an der jeweiligen Lebenssituation und den konkreten Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientieren, anstatt an einer einheitlichen Standardlösung. Bei Personen mit Pflegeverantwortung steigt dieser Wert sogar auf 93 %.

Arbeitsfähigkeit

32 %

der Beschäftigten empfinden, dass gute Zusammenarbeit im Team und zwischen Generationen ihre Arbeitsfähigkeit fördert

32 %

der Beschäftigten bewerten flexible Arbeitszeitgestaltung als wichtigen Hebel für ihre Arbeitsfähigkeit

26 %

der Beschäftigten nennen Wertschätzung und Anerkennung durch Arbeitgeber:innen als förderlich für ihre Arbeitsfähigkeit

Arbeitsfähigkeit und nachhaltige Leistungsfähigkeit werden heute nicht mehr allein durch klassische Faktoren wie Gehalt oder strukturelle Rahmenbedingungen bestimmt. Wer Arbeitsfähigkeit langfristig stärken will, muss neben Telearbeit und Vergütung insbesondere auch die Qualität der Zusammenarbeit, gelebte Anerkennung und ein flexibles Arbeitsumfeld in den Blick nehmen.

Allerdings zeigt sich eine deutliche Förderlücke: 23 % der Berufstätigen geben an, dass ihre Arbeitsfähigkeit in den letzten zwei Jahren nicht gefördert wurde. Damit wird eine relevante Reichweiten- und Wirkungslücke sichtbar: Bestehende Maßnahmen zur Stärkung von Arbeitsfähigkeit kommen nicht bei allen Beschäftigtengruppen gleichermaßen an oder werden nicht durchgängig als wirksam wahrgenommen.

Arbeitsfähigkeit darf nicht allein über allgemeine Angebote adressiert werden. Entscheidend ist, ob Maßnahmen die relevanten Zielgruppen tatsächlich erreichen, sichtbar sind und zur jeweiligen Lebens- und Erwerbsrealität passen. Unternehmen, die diese Bedürfnisse gezielt aufgreifen, stärken nicht nur Bindung und Leistungsfähigkeit, sondern auch ihre Wettbewerbsfähigkeit am Arbeitsmarkt.

Sophie LandsteinerWorkforce Transformation Lead, PwC Österreich

Arbeit muss lebensphasengerechter werden

Arbeitsfähigkeit, Motivation und Bindung entstehen dort, wo Arbeit zur jeweiligen Lebensphase passt. Vor allem dann, wenn mehrere Anforderungen gleichzeitig aufeinandertreffen, etwa berufliche Entwicklung, private Verantwortung, Gesundheit, finanzielle Sicherheit oder Zukunftsentscheidungen. Genau dann brauchen Beschäftigte passende Unterstützung.

Generationen verbinden

Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Generationen und Lebensphasen ist in österreichischen Unternehmen längst gelebte Realität und wird überwiegend positiv erlebt. Unsere Daten zeigen eine hohe Kooperationsbereitschaft zwischen den Generationen, ein gutes Miteinander von jüngeren und älteren Kolleg:innen sowie einen funktionierenden Wissenstransfer. 80 % der Befragten sehen in altersgemischten Teams einen Beitrag zu besseren Entscheidungen und Arbeitsergebnissen.

Herausforderungen entstehen weniger durch das Alter selbst als durch unterschiedliche Arbeitsgeschwindigkeiten, Kommunikationsstile und Arbeitsweisen. 49 % der Befragten geben an, dass unterschiedliche Arbeitsgeschwindigkeiten die Zusammenarbeit erschweren. Besonders häufig empfinden dies Millennials (59 %) und die Gen Z (55 %) als Herausforderung, während Babyboomer (38 %) seltener zustimmen.

Ein aktiver Wissens- und Erfahrungsaustausch wird besonders stark in den Lebensphasen Ausbildung (88 %), Karriereaufbau (88 %) und Berufseinstieg (86 %) wahrgenommen. In Lebensphasen mit hoher beruflicher oder privater Belastung fallen die Bewertungen dagegen niedriger aus.

Altersvorsorge und Pension

Pension ist kein einheitliches Lebensereignis, sondern wird je nach Lebensphase unterschiedlich verstanden: Für die einen steht sie für Zeit mit Familie und nahestehenden Menschen, für andere für persönliche Neuausrichtung, neue Interessen oder mehr Freizeit, Reisen und Erholung.

Auch der Blick auf die finanzielle Absicherung im Alter unterscheidet sich deutlich nach Geschlecht und Lebensphase. Männer fühlen sich insgesamt besser vorbereitet als Frauen: 62 % haben ein klares Bild ihrer finanziellen Situation im Alter, bei Frauen sind es 48 %. Gleichzeitig äußern Frauen häufiger finanzielle Sorgen (66 % gegenüber 56 % bei Männern). Besonders groß ist die Unsicherheit in Phasen der Neuorientierung und bei Personen mit Pflegeverantwortung, während die finanzielle Klarheit in der späten Berufsphase am höchsten ist.

Ähnlich unterschiedlich fällt die Einschätzung aus, den eigenen Lebensstandard im Alter halten zu können: Insgesamt rechnen 55 % der Befragten damit, Männer deutlich häufiger als Frauen. Besonders kritisch ist die Situation bei Personen mit Pflegeverantwortung: Hier erwartet nur rund jede vierte Person, den Lebensstandard langfristig sichern zu können.

Die zentrale Erkenntnis lautet daher: Pension ist kein standardisierter Austritt aus dem Erwerbsleben, sondern ein lebensphasenspezifischer Erwartungsraum. Wer längere Erwerbsbeteiligung, gleitende Übergänge oder Arbeit über das Pensionsalter hinaus ermöglichen will, muss diese unterschiedlichen Bedürfnisse und Voraussetzungen mitdenken.

Lebensphasenorientierung ist kein zusätzliches HR-Angebot, sondern ein strategischer Gestaltungsansatz. Unternehmen müssen verstehen, wann Beschäftigte Entwicklung, Entlastung, Stabilität oder Übergänge brauchen und ihre Arbeitsmodelle entsprechend ausrichten.

Sophie LandsteinerWorkforce Transformation Lead, PwC Österreich

Fazit

Die Studie zeigt deutlich: Nicht das Alter allein entscheidet darüber, was Beschäftigte brauchen, sondern ihre jeweilige Lebensphase. Arbeitsfähigkeit, Motivation und Bindung entstehen dort, wo Arbeit zur jeweiligen Lebenssituation passt. Unternehmen, die Mitarbeitende entlang ihrer konkreten Bedürfnisse unterstützen, schaffen nicht nur bessere Arbeitsbedingungen, sondern stärken auch Produktivität, Gesundheit und Arbeitgeberattraktivität.

Lebensphasenorientierung ist damit kein „Nice-to-have“, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Wer Arbeitsmodelle, Führung, Entwicklung und Gesundheitsangebote differenziert gestaltet, kann Menschen länger im Erwerbsleben halten, Wissen im Unternehmen sichern und Fachkräfte nachhaltig binden. Die Zukunft der Arbeit ist deshalb vor allem eines: lebensphasengerecht.

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Kontakt

Sophie Landsteiner

Sophie Landsteiner

Senior Managerin, Workforce Transformation Lead, PwC Austria

Tel: +43 676 332 76 55

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