Am 27. Mai hat der IASB den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 20 „Regulatory Assets and Regulatory Liabilities“ (Regulatorische Vermögenswerte und regulatorische Schulden) veröffentlicht.
Der neue Standard gilt für Unternehmen, deren Leistungen an Kunden einer Preisregulierung unterliegen und dabei die zulässige Gesamtvergütung teilweise oder vollständig in anderen Perioden als derjenigen, in der die Leistung erbracht wurde, zu erheben ist. Häufig von dieser Art der Regulierung sind Unternehmen betroffen, die Versorgungsdienstleistungen wie Strom, Wasser und Gas erbringen.
Ergibt sich demnach ein Unterschied zwischen dem im Leistungszeitpunkt in Rechnung gestellten Betrag und der zulässigen Gesamtvergütung, verlangt der neue Standard, dieser zeitlichen Diskrepanz („difference in timing“) durch den Ansatz sog. regulatorischer Vermögenswerte und regulatorischer Schulden Rechnung zu tragen. Regulatorische Vermögenswerte spiegeln einen bestehenden oder mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (more likely than not) bestehenden Anspruch auf künftige Preiszuschläge wider, während das Pendant dazu (regulatorische Schulden) die bestehende oder mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestehende Verpflichtung zu künftigen Preisabschlägen abbildet.
Der neue Standard enthält zudem zahlreiche Angabepflichten, darunter bspw. auch solche zu noch nicht ansatzfähigen regulatorischen Vermögenswerten und Schulden.
Der neue Standard ersetzt den bisherigen im Jahr 2014 als Interim-Standard veröffentlichten, allerdings nie in EU-Recht übernommenen IFRS 14 „Regulatorische Abgrenzungsposten“ und soll zur Verringerung der Diversität der Rechnungslegungspraktiken führen sowie eine höhere Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Unternehmen in regulierten Branchen ermöglichen.
IFRS 20 ist erstmals verpflichtend in Berichtsperioden, die am oder nach dem 1. Jänner 2029 beginnen, anzuwenden. Eine freiwillige frühere Anwendung ist zulässig. Ein EU-Endorsement ist noch ausstehend.
Weitere interessante und aktuelle Beiträge rund um die IFRS finden Sie auf CMAAS Aktuell.