Die neuen Regelungen in IFRS 18 legen fest, dass sich die Klassifizierung von Gewinnen und Verlusten aus Derivaten und Sicherungsinstrumenten nach ihrem Verwendungszweck des Instruments richtet. Dabei muss unterschieden werden zwischen:
Sicherungsinstrumente und Derivate, die Risikomanagementzwecken dienen
Gewinne und Verluste aus als Sicherungsinstrument designierten Finanzinstrumenten sind in der gleichen Kategorie wie die Aufwendungen und Erträge der gesicherten Grundgeschäfte auszuweisen. Dies gilt auch für nicht designierte Komponenten des Sicherungsinstruments sowie für den ineffektiven Teil.
Wird ein einzelnes Derivat zur Absicherung mehrerer Risiken eingesetzt, wird es für Zwecke des Hedge Accountings in zwei Bestandteile zerlegt. Jede Komponente gilt als eigenes Sicherungsinstrument. In der Praxis wäre dies der Fall, wenn bspw ein Unternehmen mit CHF als funktionaler Währung einem USD-Fremdwährungsrisiko aus einem Kredit und einem EUR-Fremdwährungsrisiko aus einer auf EUR lautenden Anleihe ausgesetzt ist. Erträge und Aufwendungen inkl Wechselkursdifferenzen aus der Verbindlichkeit werden in der Kategorie Finanzierung bzw aus dem Vermögenswert in der Kategorie Investition ausgewiesen. Die in CHF umgerechneten Nominalbeträge beider Finanzinstrumente sind gleich. Zur Absicherung mittels Hedge Accounting schließt das Unternehmen einen Forward (EUR zahlen / USD erhalten) ab, der beide Risiken aus den Nominalbeträgen abdeckt. Für Zwecke des Hedge Accounting wird der Forward in zwei synthetische Legs mit CHF als Basiswährung aufgeteilt:
Demnach würden die Gewinne/Verluste aus dem als Absicherung des Kredits designierten CHF/USD-Derivat in der Kategorie Finanzierung, und die Gewinne/Verluste aus dem als Absicherung der Anleihe designierten CHF/EUR-Derivat in der Kategorie Investition ausgewiesen werden.
Die Verwendung eines Derivats zur Absicherung mehrerer Risiken in separaten Sicherungsbeziehungen ist abzugrenzen von der Absicherung von Nettopositionen mit gegenläufigen Risiken. Auch der letztgenannte Fall könnte grundsätzlich zu dem Ausweis von Gewinnen und Verlusten in verschiedenen Kategorien führen, wenn die Aufwendungen und Erträge aus den einzelnen Komponenten der gesicherten Nettoposition in verschiedenen Kategorien ausgewiesen werden. Eine solche Zerlegung der Gewinne und Verluste in gegenläufige Bruttoerträge und -aufwendungen (sog „grossing up“) ist nach IFRS 18 jedoch explizit untersagt. In solchen Fällen sind die Gewinne und Verluste aus dem Derivat oder Sicherungsinstrument stattdessen in der operativen Kategorie auszuweisen.
Für Derivate, die nicht nach IFRS 9 als Sicherungsinstrumente designiert wurden, jedoch zur Steuerung identifizierter Risiken verwendet werden, gelten dieselben Grundsätze, es sei denn, dies würde zu unangemessenen Kosten oder Aufwendungen führen. In letzteren Fällen erfolgt die Zuordnung zur operativen Kategorie.
Sonstige Derivate
Gewinne und Verluste aus Derivaten, die weder nach IFRS 9 oder IAS 39 als Sicherungsinstrumente designiert werden noch zur Steuerung identifizierter Risiken verwendet werden, ist für die Klassifizierung erneut auf den Verwendungszweck abzustellen. Werden Derivate im Rahmen einer Transaktion eingesetzt, die ausschließlich der Finanzierung dient, erfolgt der Ausweis der Gewinne und Verluste in der Kategorie Finanzierung. Typische Fälle sind Optionen, die es Investoren ermöglichen, gegen Zahlung eines festen Betrags in Fremdwährung eine feste Anzahl von Eigenkapitalinstrumenten des Unternehmens zu erwerben – etwa Wandlungsrechte in Fremdwährungsanleihen. Diese Instrumente erfüllen häufig nicht die „fixed-for-fixed“-Bedingung nach IAS 32 und müssen daher als Verbindlichkeit bilanziell berücksichtigt werden. Eine Ausnahme gilt für Unternehmen, die der Hauptgeschäftstätigkeit „Bereitstellung von Finanzierungen für Kunden“ nachgehen. Diese weisen die Gewinne und Verluste in der operativen Kategorie aus, wenn die Derivate im Rahmen der Hauptgeschäftstätigkeit eingesetzt werden bzw das Wahlrecht nach IFRS 18.65(a)(ii) in Anspruch genommen wird.
In allen anderen Fällen sind die Gewinne und Verluste aus Derivaten der operativen Kategorie zuzuordnen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Derivate ausschließlich für Spekulationszwecke gehalten werden.
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