Die neue Ausgabe des PwC Women in Work Index 2026 zeigt ein Bild, das zugleich vertraut und alarmierend wirkt. Zum fünfzehnten Mal bewertet der Index die Fortschritte bei der Gleichstellung am Arbeitsmarkt in 33 OECD‑Ländern – und zum wiederholten Mal steht Österreich im hinteren Feld. International reicht es nur für Platz 27. In einer Zeit, in der sich gesellschaftliche Debatten rund um Gleichstellung intensiviert haben, wirkt dieses Ergebnis wie ein ernüchternder Rückschritt.
Der Blick auf die Arbeitsrealität vieler Frauen in Österreich zeigt, wie hartnäckig strukturelle Muster fortbestehen. Die Vollzeitquote der Frauen ist erneut gesunken – von 65,8 auf 64,5 % –, während Männer weiterhin mit über 90 % fast durchgehend in Vollzeit tätig sind. Diese Lücke ist nicht nur eine statistische Randnotiz, sondern auch ein Ausdruck eines Systems, in dem Betreuungspflichten, starre Arbeitsstrukturen und ökonomische Nachteile noch immer überwiegend auf Frauen lasten.
Dass die Arbeitslosenquote von Frauen offiziell niedriger ist als jene der Männer, wirkt auf den ersten Blick positiv. Doch dieser Wert blendet aus, dass viele Frauen zwar beschäftigt sind, aber in Positionen mit geringerer Bezahlung, weniger Stunden und eingeschränkten Aufstiegsmöglichkeiten. Erwerbstätigkeit bedeutet daher noch lange nicht wirtschaftliche Selbstbestimmung.
Besonders deutlich wird dies beim Gender Pay Gap1: 17,6 % trennen die Einkommen von Frauen und Männern – ein Wert, der weit über dem OECD‑Durchschnitt liegt. Trotz einer leichten Verbesserung bleibt die Lücke tief.
Doch Österreich ist nicht allein: Auch im OECD‑Raum insgesamt hat sich das Tempo des Fortschritts verlangsamt. Zwischen 2023 und 2024 ist der Gesamtindex nur um 0,6 Punkte gestiegen – der geringste Zuwachs seit der Pandemie. Verantwortlich dafür sind ein historischer Rückgang der weiblichen Vollzeitbeschäftigung und steigende Arbeitslosenquoten.
Gleichzeitig zeigt sich, dass Entwicklungen nicht ausschließlich negativ verlaufen: Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung sind etwas kleiner geworden, und der OECD‑weite Gender Pay Gap ist auf 12,4 % gesunken – der stärkste Rückgang der letzten fünf Jahre. Es gibt also Bewegung, wenn auch keine gleichmäßige.
Am oberen Ende des Index zeigt sich, wie stark politische Rahmenbedingungen wirken können. Island, Luxemburg, Neuseeland, Schweden und Slowenien führen das Ranking an – bereits zum fünften Mal in Folge. Sie alle setzen auf langjährige strukturelle Maßnahmen, die Vereinbarkeit nicht als individuelles Problem, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen. Dazu gehören flexible Elternzeitmodelle, umfassende Kinderbetreuung und Betreuungsplätze, die tatsächlich verfügbar und leistbar sind.
Island sticht besonders hervor: Über 85 % der Frauen sind erwerbstätig, deutlich mehr als der OECD‑Durchschnitt von 73,1 %. Ein solcher Wert entsteht nicht zufällig – er ist das Ergebnis konsequenter politischer Gestaltung und einer Arbeitskultur, die Gleichstellung nicht nur diskutiert, sondern lebt.
Im Juni 2026 soll die EU‑Entgelttransparenz-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden, die für mehr Transparenz in Gehaltsstrukturen sorgen soll. Künftig müssen Unternehmen Gehaltsspannen bereits in Stellenanzeigen ausweisen und Vergleichsgehälter offenlegen. Fragen zum bisherigen Einkommen werden verboten. Der Gedanke dahinter ist klar: Je mehr Transparenz, desto weniger Raum für verdeckte Ungleichbehandlung. Die Umsetzung der Richtlinie könnte ein entscheidender Impuls sein – vor allem in Ländern wie Österreich, wo die Einkommensdifferenzen hartnäckig bleiben.
Der PwC Women in Work Index 2026 macht eines unmissverständlich deutlich: Österreich steht an einem kritischen Punkt. Die Diskussion über Gleichstellung ist längst im Mainstream angekommen – doch die Realität am Arbeitsmarkt hinkt dieser Debatte hinterher.
Andere Länder zeigen, dass strukturelle Reformen wirken. Österreich hingegen verharrt in bekannten Mustern. Ohne konsequente Investitionen in Kinderbetreuung, flexible Arbeitsmodelle und faire Vergütungsstrukturen wird sich daran wenig ändern.
Das Potenzial ist da: gut ausgebildete Frauen, moderne Arbeitsformen, gesellschaftlicher Rückhalt. Was fehlt, sind Rahmenbedingungen, die dieses Potenzial entfesseln.
Damit der Arbeitsmarkt der Zukunft wirklich für alle funktioniert, braucht es einen Gleichstellungs‑Turbo. Jetzt.
Hier finden Sie die Studienergebnisse im Detail: https://direkt.pwc.at/women-in-work