Optimismus trotz großer Unsicherheit und hoher Volatilität

PwC-Studie 2020: Wie Entscheidungsträger das aktuelle Marktumfeld und die Zukunftsaussichten einschätzen und ihre Strategien anpassen

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Gerald Eibisberger
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Unternehmenssteuerung in volatilen Zeiten

Das aktuelle Unternehmensumfeld ist immer stärker von den so genannten VUCA-Faktoren (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität) geprägt – darüber sind sich die Experten einig. Die Auslöser dafür sind vielfältig: Von neuer Regulierung und sich wandelnden Konsumpräferenzen über Umweltrisiken und politische Spannungen bis hin zu technologischen Innovationen und der aktuellen Corona-Pandemie, die für heftige Marktturbulenzen sorgt und sich in Form von Nachfrage- und Angebotsschocks, Ad-hoc-Meldungen, Gewinnwarnungen oder Korrekturen bei den Finanzprognosen bemerkbar macht. Doch wie gehen Unternehmenslenker mit diesen Unsicherheiten um? Wie gelingt es ihnen, ihr Unternehmen durch das unsichere Fahrwasser zu schiffen? Diesen Fragen geht die aktuelle PwC-Studie in Kooperation mit Kantar und der Technischen Universität Darmstadt in drei Teilen nach.

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„Die Studienteilnehmer zeigen sich trotz der erheblichen Marktturbulenzen der vergangenen Monate überraschend optimistisch. So gehen die Befragten davon aus, dass die negativen Auswirkungen der Pandemie gemessen an einem Fünf-Jahres-Horizont relativ gering und damit eher eine temporäre Ausnahmeerscheinung sind.“

Gerald Eibisberger, Partner und Deals Leader bei PwC Österreich

Die Studie im Überblick

Die PwC-Studie „Optimism on uncertain grounds“ analysiert die konkreten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Marktwahrnehmung der Entscheidungsträger. Der erste und aktuelle Teil unserer Studie untersucht, wie die Verantwortlichen das aktuelle Geschäftsumfeld und die Zukunftsaussichten wahrnehmen und wie sich dies auf ihren Strategieprozess auswirkt. Ein Ergebnis: Unternehmenslenker in Österreich, Deutschland und der Schweiz beurteilen die derzeitige Marktsituation überraschend optimistisch. Das gilt sowohl im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihr Geschäft und die allgemeine Marktlage als auch für die Zukunftsaussichten. Der im November 2020 erscheinende Teil zwei fokussiert sich auf die Folgen für das Portfolio-Management sowie die Ansätze zur Unternehmensführung, während der dritte Teil im Dezember 2020 die Rolle von Transaktionen und Carve-outs als strategisches Instrument ins Visier nimmt.

Die Studienergebnisse im Überblick – Teil 1

Marktwahrnehmung: Optimismus überwiegt

Im ersten Teil kommt die Studie zu überraschenden Ergebnissen: Die Befragten bewerten die Folgen der Pandemie auf die aktuelle Geschäftssituation relativ gelassen. Auffallend ist zudem, dass die Entscheider nur mit einem moderaten Anstieg der allgemeinen Volatilität und Unsicherheit in den kommenden fünf Jahren rechnen. Auch die Marktattraktivität und die Wachstumschancen in ihrem Geschäftsumfeld in den kommenden fünf Jahren bewerten die Befragten mit Zuversicht.

Markt-Experte Gerald Eibisberger warnt jedoch vor zu großer Zuversicht: „Aktuell könnten die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise durch den Rettungsschirm aus Fördermaßnahmen und Kurzarbeitsgeldern noch etwas verzerrt und damit abgemildert wahrgenommen werden. Auf Unternehmensseite besteht derzeit die akute Gefahr, die Chancen zur Selbstreflektion und zur Vorbereitung des Business auf künftige Unsicherheiten, zu versäumen.“

Nach den größten Bedrohungen für die Positionierung im Wettbewerb befragt, nennen die Studienteilnehmer vor allem einen Wirtschaftsabschwung (80 Prozent), Umweltrisiken und Pandemien (61 Prozent), den sich verstärkenden Wettbewerb (60 Prozent) und regulatorische Risiken (55 Prozent). Finanzierungsrisiken sieht nur jeder Vierte als Bedrohung. Doch die Studie zeigt auch, dass Unternehmen dennoch Anpassungen an ihrem strategischen Kurs vornehmen: So stellen Verantwortliche ihre Strategie daher aktuell in leicht verkürzten Zeitabständen auf den Prüfstand. Je pessimistischer die Befragten die Marktattraktivität und die Zukunftsaussichten einschätzen, desto eher verkürzen sie den Zeithorizont für die Überprüfung ihrer Strategie.

 

Auswirkungen auf den Strategieprozess: Organische Maßnahmen im Fokus

Die Studie zeigt, dass die Entscheider ihre Strategien in den kommenden fünf Jahren in etwa mit einem konstanten Zeithorizont formulieren – angesichts der weiter steigenden VUCA-Faktoren ein überraschendes Ergebnis. Dabei korreliert jedoch die Einschätzung zur Marktattraktivität und den Zukunftsaussichten mit den Zeitabständen, in denen die Entscheider ihre Unternehmensstrategie überprüfen: Je pessimistischer die Befragten die Marktattraktivität und die Zukunftsaussichten einschätzen, desto eher verkürzen sie den Zeithorizont für die Überprüfung ihrer Unternehmensstrategie. 

Als wichtigste Treiber für Unternehmen, um die Strategie anzupassen, geben 91 Prozent der Befragten veränderte Kundenpräferenzen an. Drei Viertel führen die Veränderungen im Wettbewerbsumfeld an. Gefragt nach den strategischen Maßnahmen, auf die sich die Entscheider aktuell fokussieren, nennen die Befragten die Optimierung der Effizienz, die Fokussierung auf das Kerngeschäft und die Entwicklung neuer Technologien. Die Neuausrichtung des Portfolios gilt als weitaus weniger wichtig. 

Österreichische Entscheidungsträger ergreifen ähnlich wie deutsche und Schweizer Manager in erster Linie organische Maßnahmen, um ihr Geschäft zu stabilisieren und zu optimieren: Als wichtige Strategien der kommenden fünf Jahre nennen rund zwei Drittel der österreichischen Teilnehmer Wachstumsprogramme (69 Prozent) und Restrukturierungen (66 Prozent). Insbesondere Wachstums-Maßnahmen haben im Ländervergleich zu Deutschland (75 Prozent) und der Schweiz (83 Prozent) hierzulande weniger Stellenwert. Große Priorität haben in Österreich dafür strategische Maßnahmen im Bereich Forschung und Entwicklung (72 Prozent) – und damit deutlich mehr Gewicht als für deutsche (60 Prozent) und Schweizer Teilnehmer (62 Prozent). Anorganische Maßnahmen wie Transaktionen zur Anpassung des Unternehmensportfolios stehen in allen drei Ländern deutlich seltener auf der Agenda: Nur 14 Prozent aller Befragten ziehen Carve-outs als mögliche Maßnahme in Erwägung, bei österreichischen Managern sind sie sogar nur für rund 4 Prozent eine Option.

„Anorganische Entwicklungsmaßnahmen wie Akquisitionen oder Veräußerungen werden mittelfristig an Bedeutung gewinnen. Denn im Vergleich mit organischen Maßnahmen bieten Transaktionen zahlreiche Vorteile in Bezug auf Geschwindigkeit und Wirkung.“

Gerald Eibisberger, Partner und Deals Leader bei PwC Österreich

„Österreichische Entscheider fokussieren sich aktuell auf ihr Kerngeschäft sowie die Produkt- und Innovationspipeline. Nur ein geringer Anteil zieht Transaktionen in Betracht, um diese Ziele zu erreichen“, beobachtet Gerald Eibisberger.

Coming soon – Teil 2 der Studie

Der zweite Teil der Studie untersucht, wie sich die Wahrnehmung von Marktstrukturen und Marktaussichten auf das Handeln der Entscheidungsträger auswirkt. Im Fokus stehen dabei das Portfoliomanagement und die Steuerung der operativen Unternehmensstrukturen. Die Ergebnisse erlauben spannende Einblicke in die strategischen Ansätze des Top-Managements und deren Instrumente, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten.

81 %

haben ein Strategic Fit Assessment (SFA) durchgeführt.

3 von 4

Entscheidungsträgern rechnen nicht damit, dass die Komplexität der operativen Verflechtungen exponentiell ansteigt.

73 %

Unternehmen haben ein Operational Fit Assessment (OFA) vorgenommen.

78 %

der Unternehmen, die über ein OFA verfügen, gaben an, die daraus abgeleiteten Maßnahmen konsequent umzusetzen.


Coming soon – Teil 3 der Studie

Der dritte Teil der Studie analysiert die Rolle von Carve-outs als strategisches Instrument, um den Herausforderungen eines volatilen Marktumfelds und unsicheren Zukunftsaussichten zu begegnen. Die PwC-Experten untersuchen dabei unterschiedliche Aspekte, zum Beispiel:

  • Wie wird sich die Bedeutung von Carve-outs in Zukunft entwickeln?
  • Was sind die wichtigsten Motive, die zum Einsatz von Carve-outs führen?
  • Welche Erfolgsfaktoren sind bei der Umsetzung entscheidend?

Ein Ergebnis der Analyse: Ein zentraler Erfolgsfaktor beim Carve-out besteht darin, den abzuspaltenden Unternehmensteil frühzeitig in eigenständige Strukturen zu überführen. Die Studie bietet zudem konkrete Handlungsempfehlungen zum Thema Carve-out, die unmittelbar praktisch anwendbar sind.

ca. 1/3

hat in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Carve-out durchgeführt.

72 %

der Befragten erwarten, dass Carve-outs auch in Zukunft eine wichtige Rolle spiele werden.

Knapp 46 %

der Befragten überführt den zu verkaufenden Geschäftsbereich bereits in eigenständige Strukturen, bevor der Käufer feststeht.

62 %

der Befragten gaben an bei der Durchführung von Carve-outs den Hauptfokus auf die Maximierung des Verkaufserlöses zu legen.


Die Methodik

PwC hat die dreiteilige Analyse in Kooperation mit dem führenden Marktforschungsinstitut Kantar und der Technischen Universität Darmstadt erstellt. Befragt wurden Unternehmen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz mit einem Jahresumsatz über 300 Millionen Euro. An der Umfrage beteiligt haben sich 157 Entscheider, darunter 29 aus Österreich, aus der Vorstandsebene, dem Bereich M&A und Strategie. 

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