Hauptaussagen

Die Studienergebnisse

Im Rahmen der Studie von PwC wurden 150 Unternehmen aus der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie zu aktuellen Rahmenbedingungen sowie zu zukünftigen Entwicklungen der Branche befragt. Des Weiteren wurden Tiefeninterviews mit ausgewählten Führungskräften von Großunternehmen durchgeführt. Nachstehend werden die zehn Hauptaussagen zusammengefasst.

Bedrohung durch branchenfremde Akteure

76 % der Energieversorger nehmen eine Bedrohung durch branchenfremde Akteure wahr. Dennoch richtet ein Großteil der Energieversorger die Unternehmensstrategie nur geringfügig danach aus. 70 % der Stromlieferanten erachten die Ausweitung des Produktportfolios als einen guten Ansatz, um sich gegen branchenfremde Akteure zu wappnen. Allerdings sehen nur 2 % der Industrieunternehmen, die bereits einmal den Anbieter gewechselt haben, in Zusatzleistungen einen Hauptgrund für den Wechsel. Haushaltskunden lassen sich im Gegensatz dazu vermehrt mit Zusatzleistungen an den Versorger binden. 

Energiemarkt im Wandel: Blockchain-Technologie führt Revolution an

Via Blockchain kann Strom automatisiert bilateral (P2P) zwischen Erzeugern und Verbrauchern per Algorithmus gehandelt werden. So ist es möglich, dass einzelne Marktfunktionen, wie z.B. Clearingstellen, Energielieferanten usw., durch Blockchain-Technologie ersetzt werden. Ein Durchbruch dieser Technologie würde den Stromhandel revolutionieren.

Großer Nachholbedarf bei Big Data

33 % der befragten Stromlieferanten geben an, dass die Speicherung von Daten zu Analysezwecken in den nächsten fünf Jahren noch nicht vorgesehen ist. Die Industrie ist hier der Energiewirtschaft voraus. 43 % der Industrieunternehmen analysieren spezifische Daten, um neue Produkte einzuführen. Mit der Smart-Meter Einführung wird die Datenflut zunehmen und somit auch die Möglichkeiten zur Datenanalyse. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss ein zukunftsorientiertes EVU auf diese Entwicklungen mit einer weitreichenden Digitalisierungsstrategie reagieren. 

Energieflatrate: Energieeffizienz als große Herausforderung

Die bestehenden Tarifmodelle werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht den zukünftigen Anforderungen der Kunden bzw. den geänderten Marktbedingungen gewachsen sein. 39 % der befragten Industrieunternehmen und 37 % der Stromlieferanten halten die Einführung einer Energieflatrate bis 2020 für wahrscheinlich. Ein großes Thema wird dabei die Ausgestaltung von Anreizsystemen sein, damit eine entsprechende Flatrate nicht zu einem zusätzlichen unnötigen Stromverbrauch führt.

Speichertechnologien werden den Markt stark verändern

Der Mobilitätssektor ist ein Technologietreiber für Batteriespeicher. Rund 50 % der befragten Industrieunternehmen beabsichtigen bis 2020 Elektroautos in den Fuhrpark aufzunehmen. Im Haushaltsbereich mehren sich auf Grund fallender Produktionskosten die Angebote für Batteriespeicherlösungen. Durch die Dezentralisierung der Stromerzeugung wird die Bedeutung von Stromspeichern in Zukunft weiter zunehmen und Auswirkungen auf die bisherigen Geschäftsmodelle der etablierten Energieversorger haben.

Dezentrale Anlagen, zentrales IT-System: Virtuelle Kraftwerke

Virtuelle Kraftwerke sind eine Möglichkeit, um viele dezentrale Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen gemeinsam über ein zentrales IT-System zu vermarkten. Etablierte Energieversorger nützten bisher diese Möglichkeiten kaum. 10 % der energieintensiven Unternehmen haben ihren Stromverbrauch bereits an die Preissituation am Strommarkt angepasst. Eine ähnliche Anzahl energieintensiver Unternehmen ist bereits selbst zum Regelenergieanbieter geworden.

Österreichs Versorgungssicherheit im europäischen Spitzenfeld

63 % der energieintensiven Unternehmen gaben an, dass ihnen im Falle einer Stromunterbrechung unmittelbar ein wirtschaftlicher Schaden entsteht. Daher investierten bereits 58 % der Unternehmen in Notstromaggregate oder Batterien, sodass im Falle einer Stromunterbrechung die Aufrechterhaltung der Produktion gewährleistet werden kann. In Österreich hatte 2014 im Durchschnitt jeder Netzkunde weniger als 70 Minuten keinen Strom zur Verfügung. Im europäischen Vergleich liegt Österreich damit im Spitzenfeld.

Erweiterung des Kompetenzbereichs durch Kooperationen

Etablierte Energieversorger stehen vor der Herausforderung, den Wandel hin zu einem modernen Energiedienstleister zu schaffen. Kooperationen mit Start-ups und branchenfremden Unternehmen bieten eine gute Möglichkeit zur Erweiterung des eigenen Kompetenzbereichs. Dabei können neues Wissen aufgebaut sowie bestehende Kernkompetenzen durch neue Ansätze vertieft werden.

Energieeffizienzmaßnahmen: Internationale Verpflichtungen machen Druck

79 % der befragten energieintensiven Industrieunternehmen gaben an, ausgehend vom aktuellen Stand bis 2020 ein Energieeinsparpotenzial von weniger als 10 % zu sehen. Trotzdem wurden 2015 in Österreich fast doppelt so viele Energieeffizienzmaßnahmen als gesetzlich benötigt gesetzt, wodurch das Maßnahmenziel bis 2020 ohne größere Schwierigkeiten erreicht werden sollte. Ob die gemeldeten Maßnahmen immer in einer Verbrauchsreduktion resultieren, wird von den zuständigen Behörden nicht geprüft.

Emissionszertifikate stehen vor einem Neustart

Der Preis für Emissionszertifikate ist mit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 sowie dem daraus resultierenden Mengenüberschuss eingebrochen, wodurch die Zertifikate ihre Lenkungswirkung verloren haben. Auf Grund des deutlichen Überschusses an Zertifikaten am Markt ist nicht absehbar, wann die von der EU gesetzten Maßnahmen zur Preisstabilisierung greifen und den gewünschten Effekt zeigen.

Kontakt

Michael Sponring

Director, Leiter Power & Utilities, PwC Austria

Tel: +43 1 501 88-2935

Gregor Kosta

Manager, Deals Power & Utilities, PwC Austria

Tel: +43 1 501 88-2842

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