Innovative Unternehmensfinanzierung

Im Allgemeinen haben Auktionen einen speziellen Vorteil: die Preisbildung entspricht den allgemeinen Marktprinzipien von Angebot und Nachfrage und nützt die „Effizienz“ des Marktes. Auch beim Börsegang eines Unternehmens (Initial Public Offering - IPO) kann die Zuteilung der Aktien und die Festsetzung des Emissionspreises durch den Einsatz eines Auktionsverfahrens erfolgen. Neben dem üblichen IPO mittels Bookbuilding oder Festpreisverfahren setzt sich zurzeit eine innovative Form der Unternehmensfinanzierung durch. Sie ist eine modifizierte Form der so genannten holländischen Auktion (Dutch Auction), die mit einem hohen Preis beginnt, der über die Dauer der Auktion gesenkt wird. Der Preis, zu dem die Nachfrage dem Angebot entspricht, ist letzlich der Auktionspreis.

Mit einer Börsenplatzierung im Umfang von 1,67 Milliarden Dollar hat das amerikanische Unternehmen Google im Jahr 2004 eindrucksvoll vorexerziert, wie selbst ein volumenmäßig großer IPO über eine Dutch Auction abgewickelt werden kann. Die Betreuung von Börseneinführungen zählt zu den lukrativsten Geschäften überhaupt. In den USA betrugen die IPO-Gebühren 2004 laut Bloomberg im Schnitt 5,7 Prozent. Bei der Dutch Auction zahlte Google nur rund die Hälfte, weil Preisfindung und Platzierung bei Auktionen weit weniger aufwändig sind.

Die verschiedenen Allokations- und Pricing-Verfahren bei Börsengängen weisen unterschiedliche Vor- und Nachteile auf. Für den Emittenten ist daher entscheidend, sich bei der Wahl des Verfahrens gut beraten zu lassen. Wählt er nicht das für ihn optimale Verfahren, kann er unter Umständen viel Geld „liegen lassen“. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass wohl niemand den Marktpreis besser bestimmen kann, als der Markt selbst.