Aufholbedarf bei Berichterstattung zu Nachhaltigkeit

Das neue österreichische Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) verpflichtet kapitalmarktnotierte Unternehmen, mit dem Lagebericht auch eine nichtfinanzielle Erklärung zu veröffentlichen. PwC Österreich hat zusammen mit der WU Wien in einer Studie untersucht, wie gut Unternehmen darauf vorbereitet sind. Julia Fessler, Nachhaltigkeitsexpertin bei PwC Österreich, schildert die Ergebnisse.


Was verlangt das neue Gesetz?

Das Gesetz nennt eine Reihe von Belangen, über die berichtet werden muss. Die Informationen beziehen sich mindestens, aber nicht ausschließlich auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, auf die Achtung der Menschenrechte sowie auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Außerdem fordert das Gesetz eine strukturierte Auseinandersetzung damit. Da der Aufsichtsrat die nichtfinanzielle Erklärung nun auch prüfen muss, steigen die Anforderungen an die Verlässlichkeit der Daten und an die dahinterliegenden Prozesse.


Wie stellt sich im Vergleich dazu die aktuelle nichtfinanzielle Berichterstattung der Unternehmen dar?

Bislang erfüllt keines der 50 analysierten Unternehmen die Anforderungen zur Gänze. Der Reifegrad ist allerdings sehr unterschiedlich: Unternehmen, die im ATX Prime gelistet sind, berichten wesentlich transparenter als Unternehmen, die sich über Anleihen finanzieren. Ein Fünftel der analysierten Unternehmen veröffentlicht überhaupt keine Informationen zu nichtfinanziellen Belangen.


Bei welchen Themen sind Unternehmen bereits gut aufgestellt?

Themen rund um Arbeitnehmer- und Umweltbelange sind bereits gut etabliert. Auch zu Sozialbelangen und Diversität berichten die Unternehmen schon recht umfassend.


Und wo gibt es die größten Lücken?

Insbesondere zu den Themen Menschenrechte sowie Bekämpfung von Korruption und Bestechung gibt es noch großen Handlungsbedarf. Das gilt vor allem dann, wenn es um die Berichterstattung über Risiken in Bezug auf die einzelnen Belange und um nichtfinanzielle Indikatoren geht.


Österreich liegt bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung unter dem internationalen Schnitt. Wird das neue Gesetz daran etwas ändern?

Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der Unternehmen, die Informationen zu nichtfinanziellen Belangen veröffentlichen, steigen wird. Ob sich das Gesetz auch auf die inhaltliche Qualität der Berichte auswirkt, bleibt abzuwarten.


Welche Schwächen hat das neue Gesetz?

In vielen Bereichen wurde das NaDiVeG sehr vage formuliert. Darüber hinaus gibt es Unklarheiten über die Frist zur Vorlage des nichtfinanziellen Berichts und in der Frage, ob es bei Konzernen separate Berichte für die Konzernmütter geben muss.

Kontakt

Julia Fessler
Manager
Tel: +43 1 501 88-2958
Email

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