Auswirkungen des Coronavirus auf die Finanzberichterstattung

19/02/20

Ist das Coronavirus als „adjusting“ oder als „non-adjusting event“ zu berücksichtigen?

Die Entstehung und schnelle Verbreitung des Coronavirus (COVID-19) Anfang 2020 hat sich auf die Geschäfts- und Wirtschaftstätigkeit nicht nur in China, sondern weltweit ausgewirkt. Die IFRS-Bilanzierer haben die Auswirkungen dieser Entwicklungen und der getroffenen Maßnahmen, wie bspw. Stillstand von Produktion und Handel sowie Reisebeschränkungen, auf die Finanzberichterstattung zu berücksichtigen.

Für Abschlüsse, deren Geschäftsjahr zum 31.12.2019 oder früher endet, stellt sich primär die Frage, ob es sich bei den Folgen des Coronavirus um die berücksichtigungspflichtigen („adjusting events“) oder nicht zu berücksichtigende Ereignisse („non-adjusting events“) handelt. Nach unserer Ansicht stellen die Auswirkungen des ab Januar auftretenden Coronavirus nicht zu berücksichtigende Ereignisse gemäß IAS 10 dar, die im Wertaufhellungszeitraum zwischen dem Geschäftsjahresende und dem Zeitpunkt der Unterzeichnung des Abschlusses eingetreten sind. Nicht zu berücksichtigende Ereignisse führen nicht zu einer Anpassung des Abschlusses, sind jedoch anzugeben, sofern sie als wesentlich eingeschätzt werden.

Dabei ist sicherzustellen, dass die Bewertung von Vermögenswerten und Schulden im IFRS-Abschluss zum 31. Dezember 2019 nur die zum Bilanzstichtag bestehenden Bedingungen widerspiegelt. Demzufolge sind die Entwicklungen und die Ereignisse, die nach dem Abschlussstichtag eingetreten sind, bspw. bei der Bewertung von folgenden Kategorien nicht zu beachten:

  • die erwarteten Kreditverluste nach IFRS 9 „Finanzinstrumente“;
  • die Wertminderung von materiellen und immateriellen Vermögenswerten gemäß IAS 36 „Wertminderung von Vermögenswerten“;
  • der Nettoveräußerungswert der Vorräte gemäß IAS 2 „Vorräte“;
  • latente Steueransprüche gemäß IAS 12 „Ertragsteuern“; oder
  • alle zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten.

Wenn nicht zu berücksichtigende Ereignisse nach dem Bilanzstichtag wesentlich sind, könnte deren Nichtangabe die wirtschaftlichen Entscheidungen für Bilanzadressaten beeinflussen. Dementsprechend sind für solche Ereignisse die Art des Ereignisses und eine Schätzung seiner finanziellen Auswirkungen anzugeben. Ist eine Schätzung des finanziellen Effekts eines Ereignisses nicht möglich, hat ein Unternehmen diese Tatsache anzugeben. Unternehmen haben sicherzustellen, dass diese Angabe deutlich und nachvollziehbar ist, und den spezifischen Gegebenheiten des Unternehmens entspricht. Weiter gefasste Aussagen zur allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung stellen grundsätzlich keine nützlichen Informationen für Abschlussadressaten dar.

Falls Ereignisse nach dem Bilanzstichtag darauf hindeuten, dass die Annahme der Unternehmensfortführung („going concern“) nicht mehr angemessen ist, darf der Jahresabschluss nicht auf der Grundlage dieser Annahme aufgestellt werden. Dies gilt auch dann, wenn diese Ereignisse gemäß IAS 10 ansonsten nicht angepasst würden. 

Für Unternehmen, deren Geschäftsjahre und (Zwischen-)Berichtsperioden nach dem 31.12.2019 enden, ist zu prüfen, in welchem Umfang zusätzliche Angaben in Zwischenberichten bzw. jährlichen Abschlüssen notwendig sind. Dabei sind die Veränderungen seit dem letzten Bilanzstichtag zu erläutern; es ist zu prüfen, ob bspw. Anhaltspunkte für eine Wertminderung oder für die Bildung einer Rückstellung bestehen. Es ist zu überlegen, ob Unsicherheiten vorliegen, die im Rahmen der Angaben zu signifikanten Schätzungen dargestellt werden müssen.

Es ist zu empfehlen, dass sich die Bilanzierer im Rahmen der Aufstellung des IFRS-Konzernabschlusses mit den Auswirkungen des Coronavirus auf die Finanzberichterstattung sowie dem Umfang der relevanten Anhangangaben auseinandersetzen. 

Die Mitarbeiter der PwC Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS) beraten Sie gerne dazu.

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