PwC-Studie „Banking Banana Skins 2010“

Politische Einflussnahme als derzeit größtes Risiko für den Bankensektor weltweit

Das größte Risiko, mit dem sich der Bankensektor derzeit konfrontiert sieht, ist nicht finanzieller, sondern politischer Natur. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Banking Banana Skins“, die heute vom „Centre for the Study of Financial Innovation“ (CSFI) gemeinsam mit PricewaterhouseCoopers (PwC) veröffentlicht wurde.

Diese weltweit in 49 Ländern durchgeführte Umfrage wird in regelmäßigen Abständen von CSFI in Kooperation mit PwC durchgeführt und gibt Aufschluss darüber, welche drohenden Risiken die aktuell 450 befragten Senior-Banker, engen Beobachter der Bankenszene und Aufsichtsbehörden für den Bankensektor sehen. Auch fünf österreichische Institutionen haben an der Studie teilgenommen.

Als Top Risiko führt „politische Einflussnahme“ die Liste der 30 größten Bankenrisiken an. Dieses Risiko kam in den 15 Jahren, in denen die „Banana Skins“-Studie bereits erstellt wird, noch nie vor.

Über einen Punkt sind sich sowohl die an der Studie teilnehmenden Bankiers und Beobachter der Branche, als auch die befragten Aufsichtsbehörden überraschender Weise einig: Die „Politisierung“ der Banken als Folge von Rettungsprogrammen und Übernahmen stellt eine große Bedrohung für die finanzielle Gesundheit von Banken dar.

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Banker sind der Ansicht, dass die Politik ihre Kreditvergabeentscheidungen verzerrt. Nach den staatlichen Bankenrettungspaketen fordern Regierungen von den Banken verstärkt, trotz Finanzkrise Kredite zur Verfügung zu stellen. Naturgemäß ist es ein Spagat für Banken, einerseits mehr Kredite zu vergeben, um die Wirtschaft anzukurbeln, gleichzeitig aber auch selbst die Eigenkapitalbasis zu stärken. Nicht-Banker meinten hingegen, dass politische Rettungsmaßnahmen Banken zu waghalsigen Geschäften verleiteten, weil sie die Folgen von Risikoüberschreitungen ohnedies nicht selbst zu tragen haben. Aufsichtsbehörden wiederum sorgten sich, die staatliche Unterstützung könnte wieder entzogen werden, bevor Banken genug Zeit gehabt hätten, finanziell wieder auf die Beine zu kommen – ein neuerlicher Kollaps wäre so vorprogrammiert.

David Lascelles, Herausgeber der Studie, meinte: „Es ist schon ironisch, dass sich gerade die Politik als größter Risikofaktor erweist, obwohl die Banken doch durch staatliche Unterstützung gerettet werden mussten. Die Beziehung zwischen Banken und Gesellschaft ist ganz eindeutig gestört, und es wird Jahre dauern, das Vertrauen wieder aufzubauen. Bis dahin werden die Banken unter diesem Handicap zu leiden haben.“

Das Nr. 1 Risiko „Politische Einflussnahme“ steht in engem Zusammenhang mit dem Risiko Nr. 3 „Überregulierung“ und der Sorge, dass der Bankensektor durch Überreaktionen auf die Krise (z.B. durch zu strikte gesetzliche und regulatorische Vorgaben) weiteren Schaden nehmen könnte, was sich in weiterer Folge auch auf andere Wirtschaftsbereiche ausweiten könnte. Erwartungsgemäß teilen Aufsichtsbehörden diese Einschätzung der Banker und Beobachter der Branche nicht. Sie sehen das Problem eher in zu wenig Regulierung, als in einer Überregulierung.

„Die Studienergebnisse zeigten deutlich, dass den Banken Veränderungen von außen aufgezwungen werden“ so Thomas Strobach von PwC. „Sie sollten uns als Warnung dienen, dass die derzeitigen Regulierungsmaßnahmen in Summe auch unerwünschte Auswirkungen haben könnten. Es gilt daher mehr denn je, das Vertrauen zwischen Banken und Aufsichtsbehörden zu stärken. Bemerkenswert ist auch die Treffsicherheit früherer Banking Banana Skins – so z.B. der letzten Studie, die vor Lehman den Liquiditätsengpass bereits klar als höchstes Risiko sah.“

Das an zweiter Stelle der aktuellen Studie gereihte Kreditrisiko – und viele andere von der Studie identifizierten Risiken - ergeben sich aus der Unsicherheit darüber, welche Auswirkungen die Rezession auf den Bankensektor hat. Grund für diese Angst ist, dass Banken den Berg ihrer risikobehafteten Kreditstrukturen vielleicht noch nicht überwunden haben und weitere Kreditausfälle drohen.

Die befürchtete „Doppelrezession“ könnte für die Banken somit eine weitere Welle uneinbringlicher Kreditforderungen bedeuten – und, sie könnten unvorbereitet hineinschlittern. Daher haben die meisten Studienteilnehmer eine eher pessimistische Einstellung was die makro-ökonomischen Trends (Risiko Nr. 4) betrifft.

Weiters bestehen Bedenken, ob sich Banken selbst sicher managen können. Faktoren wie „Qualität des Risikomanagements“ (Risiko Nr.8), Verstöße gegen „Corporate Governance“ (Risiko Nr. 12) und falsch gesetzte „Management-Incentives“ (Risiko Nr. 16) wird durchwegs großes Risikopotenzial zugeschrieben.

Vor dem Hintergrund der weltweiten, langsamen Erholung werden einige Risiken aber auch als weniger gravierend betrachtet. Eine Reihe von Finanzrisiken wie etwa Liquiditätsengpässe, Derivativentwicklungen, volatile Risikoprämien und die Entwicklung der Aktienmärkte werden gegenüber der Umfrage vom Jahr 2008 weiter hinten gereiht. Auch das Risikopotential von Hedge Fonds wird als geringer eingestuft und ist von Platz 10 auf Platz 19 abgesunken. Ebenso wird Finanzinfrastrukturrisiken, wie dem Back Office oder den Zahlungssystemen, weniger Bedeutung zugemessen, denn diese stellten sich während der Krise als funktionsfähig heraus. Das Umweltrisiko bleibt trotz Kopenhagen-Gipfel unverändert auf Platz 25.

Die „Banana Skins”-Umfrage zeigt die schwerwiegendsten Bedrohungen für Banken auf
Banking Banana Skins 2010 (Reihung vom Jahr 2008 in Klammern)

  1. Politische Einflussnahme (-)
  2. Kreditrisiko (2)
  3. Überregulierung (8)
  4. Makroökonomische Trends (5)
  5. Liquidität (1)
  6. Kapitalverfügbarkeit (-)
  7. Derivative (4)
  8. Qualität des Risikomanagements (6)
  9. Kredit-Risikoprämien (3)
  10. Aktien (7)
  11. Wechselkursentwicklung (13)
  12. Corporate Governance (16)
  13. Rohstoffe (12)
  14. Zinsen (9)
  1. Betrug (11)
  2. Management-Vergütung(17)
  3. Emerging Markets (18)
  4. Große Technologie-Abhängigkeit (15)
  5. Hedge Fonds (10)
  6. Verlustrisiko durch unkontrollierbare Händler („Rogue Trader“) (14)
  7. Business-Kontinuität (23)
  8. Praktiken im Privatkundenvertrieb (20)
  9. Interessenkonflikte (21)
  10. Back Office (19)
  11. Umweltrisiken (25)
  12. Zahlungssysteme (27)
  13. Geldwäsche (24)
  14. Fusionsfieber (28)
  15. Zu wenig Regulierung (29)
  16. Konkurrenz durch neue Wettbewerber (30)

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