PwC Österreich Liquiditätsreport

die „Österreich AG“ nach zwei Jahren Krise

Die Studienergebnisse auf einem Blick:

  • Massiver Aufbau von Barreserven von rund € 4,4 Mrd. auf rund € 7,4 Mrd. im 1. Quartal 2010
  • Unternehmen haben schnell und effektiv auf die Krise reagiert
  • Vertrauen in den Kapitalmarkt ist noch nicht zurück
  • Nach völligem Einbruch im 2. Quartal 2009 stabilisieren sich Investitionen auf niedrigem Niveau (rund € 1,5 Mrd. pro Quartal)
  • Eigenkapital bleibt auch in der Krise stabil
  • Die Krise ist noch nicht vorbei

Die im ATX gelisteten österreichischen Leitbetriebe haben auf die Krise gezielt und wirksam reagiert. Zu dieser Erkenntnis kommt eine neue Studie von PwC Österreich. Bei Österreichs Unternehmen herrscht aber derzeit noch große Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Sie schwanken zwischen den Szenarien "Erholung" und "Rückkehr der Krise" ("Double Dip"). Angesichts einer schwer einschätzbaren Geldmengenpolitik und damit Uneinigkeit über die Inflationswahrscheinlichkeit üben sich die Leitbetriebe daher eher in Zurückhaltung.

PwC untersucht auf Quartalsbasis die Entwicklung der Liquidität der im Leitindex der Wiener Börse repräsentierten Unternehmen. Die Daten all dieser Unternehmen zusammengefasst ergeben eine virtuelle "Österreich AG" (ausgenommen Banken und Versicherungen) und repräsentieren im Querschnitt die Leitbetriebe des Landes. Erhoben wurden der Bestand an liquiden Mitteln, die Cash Flows aus der operativen Tätigkeit, aus Investitionen und aus Finanzierung sowie die Eigenkapitalquote seit Beginn des Krisenjahrs 2008.

Liquidität: "Nur Bares ist Wahres"

Aufgrund der schnellen Reaktion der heimischen Leitbetriebe auf die Krise, wurden negative Effekte großteils schnell abgefedert. So konnte etwa die Eigenkapitalquote der "Österreich AG" seit Beginn der Krise auf einem stabilen Niveau zwischen 42% und 44% gehalten werden.

„Die Ergebnisse sind rückwirkend gesehen durchaus positiv. Österreichs Leitbetriebe konnten mit der Wirtschaftskrise bislang besser und flexibler umgehen, als erwartet“, erklärt Mag. Helmut Kern, Head of Consulting Austria, PwC. „Derzeit sind die Unternehmen aber noch eher abwartend; es lautet die Devise: ‚Nur Bares ist Wahres‘. Die Unternehmen haben Liquiditätspolster angelegt um bei einer nachhaltig positiven Entwicklung schnell in Wachstumsstrategien übergehen zu können.“

Diese Reserven erreichten im 1. Quartal 2010 einen Höchststand von € 7,4 Mrd. Begonnen wurde mit dem Aufbau nach permanenten Rückgängen der Liquidität seit Beginn 2008 und einem Niedrigststand der Barreserven im 3. Quartal 2008 mit rund € 4,4 Mrd. Die hohen Barreserven der "Österreich AG" sind Ausdruck eines hohen Sicherheitsbedürfnisses der Unternehmen. Mit hohen Liquiditätsreserven wird "Manöverraum" für die ungewisse und als äußerst volatil eingeschätzte nahe Zukunft geschaffen. Staatliche Maßnahmen wie das Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz (ULSG) haben positive Signale gesetzt, jedoch keine erkennbare Auswirkung auf das Verhalten der "Österreich AG" gehabt.

Unternehmen halten sich bei Investitionen stark zurück

Ein klares Zeichen für die nach wie vor bestehende Unsicherheit am Markt ist die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Die "Österreich AG" sitzt auf einem massiven Liquiditätspolster. Wurden Ende 2008 noch € 3 Mrd. pro Quartal investiert, so sank die Investitionsbereitschaft danach abrupt: mit unter € 600 Mio. erreichten die Investitionen der "Österreich AG" im 2. Quartal 2009 einen in der jüngeren Geschichte einmaligen Tiefststand. Das Investitionsniveau hat sich nun bei rund € 1,5 Mrd. pro Quartal auf niedrigem Niveau stabilisiert. „Derzeit sind das aber in erster Linie Ersatzinvestitionen; Investitionen zum Ausbau neuer Geschäftsfelder oder neue Technologien sind eher die Ausnahme“, erklärt Mag. Helmut Kern.

Cashflow: Es bleibt spannend…

Der operative Cashflow hat sich während der Krise von rund € 2,5 Mrd. im 2. Quartal 2008 über vier Quartale hinweg auf einen Tiefststand von rund € 1,8 Mrd. im 2. Quartal 2009 verringert. Das liegt in erster Linie an späteren Zahlungseingängen von Kunden. Die Erholung kam allerdings schon im 3. und 4. Quartal 2009 – mit einem sprunghaften Anstieg auf € 3,2 Mrd. (rund 80 %), der sich dann in Folge unter € 2 Mrd. eingependelt hat. Diese rasante Erholung liegt an der überraschenden Stärke des deutschen Marktes. Sie spiegelt aber auch Nachholkäufe der Kunden der "Österreich AG" wieder. „Angesichts dieser Situation werden die operativen Cashflows der nächsten Monate spannend – sie werden zeigen, ob es sich um ein konjunkturelles Strohfeuer oder um eine tatsächliche Stabilisierung der wirtschaftlichen Gesamtsituation handelt“, beschreibt Mag. Helmut Kern.

Auch die Entwicklung der Finanzierungstätigkeit seit Beginn der Krise zeigt kein eindeutiges Bild: Während im 4. Quartal 2008 noch rund € 1 Mrd. aus Finanzierungstätigkeit in die Unternehmen geflossen ist, reduzierte sich der Finanzierungscashflow in Folge massiv. Auch die Dividendenzahlungen der "Österreich AG" gehen zurück: im Jahr 2009 waren es noch rund € 1,8 Mrd., im Jahr 2010 wurden rund € 1,5 Mrd. an die Aktionäre ausgeschüttet.

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