Fit für IFRS 15

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Am 1.1.2018 tritt der neue Rechnungslegungsstandard zur Umsatzrealisierung (IFRS 15) in Kraft. Abhängig vom Geschäftsmodell können sich für Unternehmen große Änderungen bei der Erfassung der Umsatzerlöse ergeben. Sie müssen mit einem erheblichen Aufwand rechnen, die neuen Regelungen zu implementieren.

Was auf Unternehmen zukommt, erklären IFRS 15 Accounting-Experte Marius Dreisbach und die IFRS 15 IT-Expertin Swetlana Liebig.


Welche Unternehmen sind von der neuen Regelung betroffen?

Marius Dreisbach: Der neue Standard zur Umsatzrealisierung gilt für Unternehmen, die nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) bilanzieren. Betroffen sind Unternehmen aller Branchen. Der Grad der Auswirkung hängt vom jeweiligen Geschäftsmodell des Unternehmens ab. Insbesondere sind Unternehmen betroffen, die mit ihren Kunden Mehrkomponenten-Verträge abgeschlossen haben, bei der eine Komponente durch eine andere subventioniert wird. Das betrifft nicht nur die Telekommunikationsbranche, sondern auch andere Unternehmen, die etwa Produkte zusammen mit einer Dienstleistung verkaufen. Allerdings sind das nicht die einzigen Verträge, für die sich Änderungen durch den neuen Rechnungslegungsstandard ergeben. Besonders kapitalmarktorientierte Unternehmen sollten die Auswirkungen des IFRS 15 nicht unterschätzen. Die FMA hat bereits für 2016 den IFRS 15 und den Implementierungsprozess als einen Prüfungsschwerpunkt festgelegt. Das betrifft darüber hinaus auch den neuen Leasingstandard IFRS 16, der spätestens ab 1.1.2019 anzuwenden ist.


Was ändert sich für Unternehmen mit Anwendung des neuen Standards zur Umsatzrealisierung?

Marius Dreisbach: Unternehmen müssen nach dem neuen IFRS 15 in Zukunft Umsätze in ihrer Rechnungslegung anders abbilden, wenn sie zum Beispiel Produkte und die dazugehörige Dienstleistung wie beschrieben im Paket verkaufen und der Preis für einen Teil absichtlich niedrig beziehungsweise aus Kundensicht attraktiv gehalten wird. Außerdem können sich bei Verträgen, die etwa Rabattmodelle, Rückgaberechte oder Finanzierungselementen enthalten, umfangreiche Änderungen ergeben. Der durch den Kunden bezahlte Rechnungsbetrag weicht von dem ab, was zukünftig als Umsatz in der Gewinn- und Verlustrechnung gezeigt wird. In vielen Fällen wird das heute anders abgebildet. Der neue Rechnungslegungsstandard birgt allerdings nicht nur Herausforderungen aus bilanzieller Sicht. Auch IT-Systeme und Prozesse sind betroffen.


Wie wirkt sich der IFRS 15 auf Prozesse und IT-Systeme eines Unternehmens aus?

Swetlana Liebig: IFRS 15 fordert einen wesentlich höheren Detailierungsgrad der Informationen. Je vielfältiger die Vertragsbeziehungen sind, die ein Unternehmen zu seinen Kunden hat, desto komplexer ist es, diese Umsätze in der Rechnungslegung darzustellen. Um diese Anforderung zu erfüllen, müssen die Unternehmensabläufe und die Systemlandschaft unter Umständen erheblich verändert werden. Heterogene Systemlandschaften, nicht verfügbare Daten, intransparente vertragliche Beziehungen und komplexe Geschäftsmodelle sind die Hauptursachen, warum die IT bei der Umsetzung des IFRS 15 eine so große Rolle spielt.


Wie können sich Unternehmen den Herausforderungen im Bereich der Prozesse und IT-Systeme stellen?

Swetlana Liebig: Die Auswahl einer richtigen IT-Lösung ist ein ausschlaggebender Erfolgsfaktor für die Umsetzung des neuen Rechnungslegungsstandards. Dazu sollte sich das betroffene Unternehmen erst einmal einen Überblick über die am Markt existierenden IT-Lösungen für IFRS 15 verschaffen. Diese müssen dann im Hinblick auf die Spezifikation des eigenen Geschäftes und der IT-Landschaft analysiert werden. Mit dem Einsatz der Softwarelösung, die sich am besten für das Geschäftsmodell des Unternehmens eignet, lassen sich die konkreten Prozesse der Ertragsrealisierung automatisieren und optimieren.


Wie lässt sich eine geeignete Softwarelösung identifizieren?

Swetlana Liebig: Aus Sicht des Accounting und aus der Perspektive der IT wird es nötig sein, eine detaillierte Betroffenheitsanalyse durchzuführen. Sie beinhaltet unter anderem eine Analyse der bestehenden Systeme und Prozesse vor dem Hintergrund der Neuregelungen sowie eine Erhebung der für eine Implementierung notwendigen Daten. Damit werden Data Gaps und notwendige Schnittstellen identifiziert. PwC berät seit über zehn Jahren bei der Auswahl und Implementierung von prozessunterstützenden IT-Lösungen im Accounting-Bereich. Wir unterstützen unsere Kunden bei der Vorbereitung auf die neuen Anforderungen und begleiten sie bei der Anpassung und Optimierung ihrer Systeme und Prozesse.

Kontakt

Marius Dreisbach
Senior Manager
Tel: +43 1 501 88-1659
Email

Swetlana Liebig
Manager
Tel: +43 1 501 88-1752
Email

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