„Einen super Job machen“

Christine Weinzierl, Partnerin bei PwC Österreich, über die kritische Masse von Führungsfrauen und den Kulturwandel in Unternehmen.


Die Quotendiskussion erhitzt aktuell die Gemüter in Österreich: Wie hoch sollte beziehungsweise müsste eine solche Frauenquote für Führungspositionen sein?

Auf eine bestimmte Prozentzahl möchte ich mich nicht festlegen, aber: Jede Frau, die in ein Führungsgremium einzieht, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sie dient wieder als role model für andere Frauen. Im Idealfall sollte aber jedes Führungsgremium eine breite Palette an Fähigkeiten widerspiegeln – dabei geht es nicht nur um das Verhältnis zwischen Frauen und Männern, sondern auch um ‎eine angemessene Beteiligung von jungen und älteren Menschen, um eine Diversifizierung nach ethnischer Herkunft, Religion usw. Wir werden diese unterschiedlichen Gesichtspunkte und Talente, die diese Menschen einbringen können, dringend brauchen, um die Herausforderungen zu stemmen, die künftig auf uns zukommen werden. Mein Wunsch: Unternehmen sollten sich selbst einen Plan zur Diversifizierung ihrer Gremien auferlegen.


Stimmt es, dass Frauen, die es bis ganz nach oben geschafft haben, andere Frauen gar nicht unbedingt fördern, sondern meinen, die sollten ruhig genauso hart kämpfen?

Das kann man nicht generalisieren. Ziel ist es, jene zu fördern, die am besten für den Job geeignet sind. Richtig ist: Frauen, die es in der Vergangenheit geschafft haben, haben sich sehr stark an KPIs orientiert, die üblicherweise Männern zugeschrieben werden. Das prägt. Und so werden Kolleginnen oft auch daran gemessen. Frauen fühlen sich aber mit den „männlichen“ Führungskriterien oft nicht authentisch. Ziel muss es auch hier sein, einen differenziertere Führungsstil zuzulassen und zu fördern.


Worin liegen die Unterschiede im Führungsverhalten von Männern und Frauen?

Führungsverhalten, das üblicherweise Frauen zugeschrieben wird, gibt es auch bei Männern, zum Beispiel Teamwork statt Hierarchie oder eine beziehungsreichere Kommunikation. Aber tendenziell beobachte ich bei Frauen, dass Erfolg im bzw. das Funktionieren des Teams oft über die eigene Leistung gestellt werden oder dass sich Frauen schwerer tun, unangenehme Aufgaben zu delegieren.


Welche Tipps haben Sie für Frauen auf dem Weg nach oben?

Tipp 1: Networking bleibt bei Frauen oft auf der Strecke, erst recht, wenn sie teilzeitbeschäftigt sind und/oder Familie haben. Nützen Sie in Gesprächen die Chance und reden Sie auch über das Gute, das Sie tun. Oder bitten Sie Führungskräfte darum, ein gutes Wort für Sie einzulegen.
Tipp 2: Lernen Sie, Nein zu sagen: Frauen neigen auch im Job dazu, Arbeiten zu übernehmen, mit denen keine Lorbeeren verdient werden. Oft fehlt dann die Zeit für prestigeträchtige Aufgaben, mit denen man auch eine entsprechende Bühne erhält.
Tipp 3: Mehr Selbstvertrauen: Bewerben Sie sich nicht erst dann für einen Job oder eine Führungsposition, wenn 150 Prozent der Anforderungen erfüllt sind, sondern wenn Sie die wesentlichen Fähigkeiten mitbringen.

Kontakt

Christine Weinzierl
Partnerin
Tel: +43 1 501 88-3630
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