Chinesen sagen immer „Ja“

Rudolf Krickl, Partner und Steuerexperte bei PwC Österreich, über Wachstumschancen und Fallstricke, die auf Mittelständler beim Schritt ins Ausland lauern.

 

Können Sie Österreichs Zulieferbetrieben überhaupt dazu raten, sich im Ausland zu engagieren?
Es bleibt ihnen kaum etwas anderes übrig. Erstausrüster und die großen Zulieferer für die Flugzeug- und Automobilindustrie sind ja meistens schon auf ausländischen Märkten aktiv. Sie erwarten kurze Lieferwege und -zeiten zu ihren Produktionsbändern. Außerdem verlangen die Gastländer häufig einen bestimmten Anteil lokaler Fertigung. Da müssen Zulieferer mitziehen.
 

Das eröffnet Wachstumschancen. Wie steht es um Risiken?
Die angebotenen Produkte müssen natürlich auf der Höhe der Zeit sein. Das gelingt den meisten Unternehmen. In Krisenzeiten kappen viele allerdings die Ausgaben für Marketing und Vertrieb. Damit schneiden sie sich ihre Lebensader ab. Denn das Unternehmen muss weitere Kundengruppen oder neue Anwendungen für bestehende Produkte finden.
 

Inwieweit werden kulturelle Unterschiede unterschätzt?
Die Manager eines börsennotierten österreichischen Unter­nehmens mussten beispielsweise erfahren, dass chinesische Mitarbeiter oder Verhandlungspartner grundsätzlich ‚Ja‘ sagen – auch wenn sie gar nichts verstanden haben. Das kann sehr kritisch werden, wenn dann die Produktion nicht wie gewünscht und vermeintlich besprochen läuft.

Welche Lösung gibt es?
Es ist ratsam, Mitglieder der ersten Produktionsmannschaft für zwei oder drei Monate nach Österreich zu holen und sie im hiesigen Umfeld arbeiten zu lassen. Dann lernen diese Mitarbeiter, wie der Job zu erledigen ist – und nehmen das erworbene Know-how für die Schulung ihrer Kollegen in China mit.
 

Welche weiteren Fehler beobachten Sie?
Wenn die Finanzierung nicht angepasst wird, kann ein Unternehmen auch zu Tode wachsen. Häufig zieht die Hausbank nicht im nötigen Umfang mit. Unternehmen sollten sich daher für Bankenkonsortien öffnen. Vielen Unternehmen fehlt auch eine professionelle Finanz- und Liquiditätsplanung. Automobilzulieferer müssen häufig Werkzeuge für neue Produkte und Modellvarianten der Erstausrüster vorfinanzieren. Sie bekommen diese Investition zwar später über den Stückpreis vergütet. Wer aber zu viele neue Aufträge übernimmt und Maschinen vorfinanzieren muss, läuft leicht in einen Liquiditätsengpass. Das muss man also rechtzeitig mit den finanzierenden Banken besprechen.
 

Welche weiteren Ausrutscher drohen Unternehmen auf internationalem Parkett?
In China müssen beispielsweise Konzernverträge vorab von einer Behörde genehmigt werden. Das gilt auch für Dividenden­zahlungen oder die Rückführung von Eigenkapital. Außerdem existieren verschiedene Formen der Quellensteuer und weitere lokale Steuern, die nicht vom Doppelbesteuerungs­abkommen erfasst werden. Wenn also die betriebswirtschaftliche Entscheidung für eine ausländische Fertigung getroffen wurde, müssen Unternehmen auch diese Dinge fest im Blick behalten.

 

Den ganzen Artikel „Ritt auf dem Tiger lesen Sie im next:digital

Kontakt

Rudolf Krickl
Steuerberater, Experte für Familienunternehmen
Partner, Standort Wien
Tel: +43 1 501 88-3420
Email

Folgen Sie uns
Folgen Sie uns